Panikattacken

Angst und Panik, Angstattacken und Panikattacken, Angststörung und Panikstörung: Was ist das überhaupt und was hat es auf dieser Website zu suchen? Was es ist, wirst du herausfinden, wenn du meine Geschichte liest. Was dies hier zu suchen hat: Wie auch meine lustigen Geschichten hatte ich irgendwann angefangen, meinen Umgang mit Angst und Panik aufzuschreiben, nachdem ich in eine Panikstörung gerutscht war. Es ist wie ein Tagebuch, aber mehr in Roman-Form und im Präsens geschrieben; das macht meine Gefühle und Empfindungen besser greifbar. Es gibt bereits viel Literatur zu diesen Themen, aber ich persönlich finde Erfahrungsberichte am nützlichsten, wenn diese von Betroffenen selbst stammen. Zum Schmunzeln ist dies sicher nicht; aber ein Happy End gibt es. Falls du dich für das Thema interessiert oder selbst betroffen bist: Du kannst meinen Umgang damit als Inspiration nutzen. Hab Mut!

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Bei dir wurde eine eine Panik- oder Angststörung diagnostiziert oder du hast dies selbst herausgefunden? Du hast etreme körperliche Symptome wie Herzrasen, Schwindel, Schweißausbrüche, Zittern, kalte Gliedmaßen, oft verbunden mit Todesangst und starker Fokussierung auf dich selbst, doch jeder Arzt hält dich für gesund? Du fühlst dich schwer krank, hast einen Ärztemarathon hinter dir – ohne Erfolg? Du bekommst diese Probleme beim Einschlafen oder wachst davon auf? Dein Leben beginnt sich einzuschränken? Dann solltest du in Betracht ziehen, dass deine realen körperlichen Symptome keiner Krankheit entspringen, sondern deinem Kopf. Genauer gesagt deiner Psyche und Seele.

Wenn du bereits mit sowas zu tun gehabt hast, dann wirst du wissen, wie leidvoll sich diese Krankheit gestalten kann, die nach Außen kaum sichtbar ist und viele Menschen um einen herum mit Fragezeichen, Unverständnis oder Hilfslosigkeit stehen lässt. Und doch gibt es gute Möglichkeiten, Angst und Panik in den Griff zu bekommen. Was ist eigentlich eine Angststörung, was eine Panikstörung? Wie entstehen diese? Was geht im Inneren solcher Menschen vor? Wenn du zu denen gehörst, die dies verstehen wollen, dann hast du hiermit eine Chance. Es ist meine eigene Geschichte, an der ich viele Jahre lang zu arbeiten hatte. Seitdem ich verstanden habe, was da eigentlich mit mir passiert ist, erkläre ich dies jedem, der es wissen möchte. Wer damit nichts zu tun haben will oder es nicht nachvollziehen kann, hat genauso mein Verständnis und Respekt wie jemand, der es zu verstehen versucht. Und besonders wie jemand, der da selbst durch musste oder gerade muss.

An dieser Stelle eine Warnung an dich, wenn du eine Panik-/Angststörung hast und auf dieses Thema empfindlich reagierst: Das Lesen meiner Erlebnisse kann deine körperlichen Empfindungen und (anfangs meist unterbewussten) Ängste herausfordern. Aber sei dir versichert: Wenn du dich beim Lesen immer unwohler fühlst, bist du auf der richtigen Spur. Denn das ist genau das, was diese psychische Krankheit möchte: Habe Angst vor ihr und versuche nicht, dich dieser Angst zu stellen. Ich beschreibe daher genau, was in meinem Inneren vorgeht, welche Gedanken kommen, was Außenstehende davon bemerken. Ebenso analysiere ich, welche Umstände dazu geführt haben, dass die Störung bei mir überhaupt begann; dies kannst du nutzen, um dich selbst, deine Vergangenheit und deine Lebensumstände zu hinterfragen. Denn eine Panikattacke kann jeder mal bekommen, aber eine Panikstörung hat Hintergründe, die in der Vergangenheit liegen. Übrigens bist du nicht alleine: Geschätzte 5-10 % der Menschen in Industrienationen haben so etwas durchgemacht, Frauen häufiger als Männer!

Zu guter Letzt beschreibe ich, wie ich und damit auch du so eine Störung in den Griff bekommen kannst. Manche Menschen konnten diese komplett besiegen, andere zumindest soweit in die Ecke drängen, dass sie ein Leben möglichst ohne Einschränkungen leben können. Sieh meine Geschichte dabei immer als Hilfe und Unterstützung an, nicht als Lösung. Es gibt viel mehr Möglichkeiten und Herangehensweisen, als ich beschreibe und ausprobiere. Was dir hilft und gut tut, dass musst du selbst herausfinden, denn jeder Mensch ist anders. Hier hilft dir Fachliteratur oder die Unterstützung Anderer weiter – je nachdem, welcher Weg dir lieber ist. Gehen musst du ihn aber immer selbst.

Wenn Panik entsteht

Sicher hast du schon mal von Panikattacken gehört: Das sind panische Anfälle von Menschen, in denen diese völlig verängstigt, panisch reagieren, zum Teil mit Todesangst, fast immer möchten diese Menschen weg aus einer Situation, haben nur noch Fluchtgedanken. Diese Panik zeichnet eines aus: Sie ist oftmals gar nicht den Umständen angemessen, weil andere Menschen in derselben Situation entweder gar keine Gefahr sehen oder diese deutlich harmloser einschätzen; und diese Menschen geraten in einen Kreislauf aus Angst, der sich ganz schnell hochschaukelt, binnen kürzester Zeit existiert nur noch diese Panik vor etwas und alle logischen oder rationalen Gedanken sind völlig verdrängt. Manche Menschen in so einer Angst reagieren apathisch, wirken wie weit weg und reagieren kaum noch auf ihre Umwelt und Ansprache, andere wollen unbedingt weg; aus der Situation, aus einem Raum, weg vor etwas. Panikattacken können jeden treffen, sie passieren oftmals in einer Situation, die einen gedanklich und innerlich in kurzer Zeit stark überfordert, so dass man keine logischen Gedanken mehr machen kann. Beispiele siehst du in Massenpaniken, wo vielleicht anfangs nur einer durchdreht und weitere Menschen davon mitgerissen werden, da Angst leider ansteckend ist. Dann fliehen Menschen manchmal vor etwas, das sie selbst nicht kennen, sie spüren nur die Angst der anderen. Andere finden sich in Situationen wieder, wo sie plötzlich die Kontrolle verlieren, z.B. wenn du dich auf dem Rummel in eine gewagte Attraktion traust und dann während der Fahrt feststellst, dass du raus möchtest, aber nicht kannst. Andere bekommen es, wenn sie z.B. durch ein enges Loch krabbeln und stecken bleiben. Wieder andere treten an ein Geländer, sehen in die Tiefe und dann fangen sie furchtbar an zu zittern wegen der Höhe und wollen nur noch weg. Das sind sogenannte Situationsängste; du kannst auch Ängste vor Objekten und Lebewesen haben. Manche Menschen kriegen furchtbare Panik, wenn sie bestimmte Tiere sehen, Spinnen sind ein bekanntes Beispiel.

Diese Ängste haben alle eines gemeinsam: Sie kommen sehr schnell und meist unvorbereitet, und je nachdem wie schnell man vor dem entkommt, was einem Angst macht, desto schneller klingen sie wieder ab. Eine richtige Panikattacke ist es aber erst, wenn du der Angst nicht ausweichen kannst oder es dauert, bis du diese Möglichkeit bekommst, sich in der Zeit die Ängste aufschaukeln können, das ist dann ein Angstkreislauf, der sich rasant schnell steigert. Dies kommt mit vielen körperlichen Symptomen einher, die einem die Zeit zur Hölle machen, wie Herzrasen, Schwindel, Schweißausbrüche, die Angst zu sterben, Zittern, kalte Gliedmaßen und vieles mehr. Übrigens kommen die körperlichen Symptome und die Angst meist nacheinander: Zu Beginn einer solchen Erkrankung nimmt man in der Regel zuerst die körperlichen Symptome war und bekommt wegen diesen Angst. Deswegen glaubt man auch zuerst an eine schwere Krankheit. Je weiter die Erkrankung fortschreitet, aber auch je mehr man sich damit beschäftigt, dreht sich dies oft um: Erst kommt die Angst (vor etwas oder davor, dass etwas passiert), und dann kommen die körperlichen Symptome.

Angst vs Panik

Bevor ich meine Geschichte erzähle, möchte ich eine Definition sagen, die ich bislang im Text vermischt habe: Es gibt die Begriffe Angst und Panik. Wenn sich diese über einen Zeitraum steigert, dann einige Zeit anhält und später abebbt, oft verbunden mit mental-körperlicher Erschöpfung, dann ist es eine Angst- oder Panikattacke. So etwas kann jedem Mensch in seinem Leben passieren. Die meisten erleben es einmal und damit ist es gut, aber manche Menschen entwickeln wegen diesem extremen Erlebnis Folgeängste. Diese führen dazu, dass sie leichter wieder eine Attacke bekommen können. Mit jeder weiteren Attacke passiert dies häufiger und man beginnt, ein Vermeidungsverhalten zu entwickeln. Du hast sicher schon von Menschen gehört, die sagen, sie fahren niemals Fahrstuhl, da drinnen bekommen sie Angst. Andere können nicht in Flugzeuge steigen. Hier ist besonders die Angst vor der Enge, dem Eingesperrtsein, präsent. Dann gibt es Menschen, die sich nicht in Shopping-Center, den Zoo oder ins Theater trauen. Hier besteht oft die Angst vor Menschenmengen und im Notfall nicht schnell fliehen zu können. Wenn man beginnt, so ein Vermeidungsverhalten zu entwickeln, versucht man seiner Angst auszuweichen. Ab dann nennt sich dies Angst- oder Panikstörung. Nun ist das Problem chronisch geworden und wird immer schlimmer werden, wenn man nicht dagegen arbeitet. Denn es ist möglich, dass sich diese Angst auf immer mehr Orte, Tiere oder Objekte ausweitet.

Nun habe ich bislang von Angst und Panik gesprochen. Wo ist der Unterschied? Vom Gebrauch ist beides ähnlich, Panik hört sich etwas stärker an als Angst. Es gibt aber in der Krankheitsdefinition einen gewaltigen Unterschied: Eine Angststörung liegt vor, wenn du vor etwas greifbarem / definierbarem Angst hast, also Angst vor einer bestimmten Tierart, einem bestimmten Ort, einem Verkehrsmittel, einer Person usw. Eine Panikstörung liegt vor, wenn du Angst davor hast, Angst zu bekommen. Das klingt sicher erstmal seltsam, aber das ist genau das Problem: Du hast nicht vor etwas konkretem Angst, sondern du hast eine Panikattacke gehabt und hast nun furchtbare Angst, dass sie wieder passieren könnte, denn sie war schrecklich. Du machst dir ständig Gedanken, ob und wann es nochmal passiert. Und wenn man an etwas ganz oft ganz dolle denkt … genau, dann beschwört man dies geradezu. Die Panikstörung ist somit schwammiger, weniger greifbar für einen, weil man ihr nicht ausweichen kann. Bei der Angststörung entwickelst du ein Vermeidungsverhalten vor dem, was dir Angst macht. Bei der Panikstörung … versuche, die Angst vor einer Attacke zu meiden. Genau, es geht nicht; damit empfinde ich persönlich diese Störung als noch heftiger. Sie ist an nichts gebunden und kann überall auftreten, meistens dort wo man an sie denkt. Zu Beginn verbindet man sie oft mit Orten und Gegenständen, weil man keine andere Erklärung für seine Panik findet, aber im Grunde ist sie davon losgelöst. Wobei ich einen Menschen mit einer Angststörung, der seine Störung als schlimmer empfindet, genauso verstehen kann. Spaß macht beides nicht. Beide Krankheiten, Angst- und Panikstörung, können auch in Kombination auftreten.

Wie alles begann: Unbemerkt überfordert

Nun zu mir … ich hatte das „Glück“, eine Panikstörung zu bekommen. Wie kam es dazu? Eine Reise in meine Vergangenheit … es ist 2006, ich bin gerade mit meinem stressigen Studium fertig. 3 Jahre ein ständiger Wechsel zwischen Ausbildung und Studium, manchmal täglich hunderte Kilometer pendeln, schlafen wann immer es mal möglich war. Aber ich hatte es geschafft, ich hatte mein Diplom, es war trotzdem eine sehr schöne Studienzeit und ich würde es auch immer wieder machen. Nun suche ich mir einen Job und werde von meiner Firma übernommen. Ich wohne noch in Mannheim, der angebotene Job ist aber in Hamburg. Trotzdem ziehe ich nicht dorthin. Warum? Ich war zum ersten Mal von zu Hause weggezogen, also ich 2003 das Studium begann, ich hatte viele Freunde und Familie „zu Hause“ in Hannover zurückgelassen. Irgendwie will ich den alten Anschluss wiederfinden, es so werden lassen wie früher, was eine coole Zeit war. Kurz gesagt, was mir diese Vision bringen wird: Es wurde zu einer Illusion, an alte Zeiten anknüpfen zu können. Teils ziehen meine Freunde kurz danach durch die Welt und andere sind schon dabei, ihre Familienplanung für die Zukunft zu machen … so wie ich es mir vorstellte wird es nicht. Der andere Grund ist meine Freundin, welche in Hannover studieren will.

Also Hannover, daher ziehen wir dorthin, suchen eine verkehrsgünstige Wohnung direkt an einer größeren Straße mit Straßenbahnhaltestelle, was sich später als weiterer Fehler herausstellen wird. Diese Wohngegend ist zwar sehr zentral, aber laut; die ganze Nacht hindurch quietscht die Straßenbahn, die Autos hupen von morgens bis abends. Es ist jetzt kein Witz, ich war nach dem Ende der Hannover-Zeit vom Hupen der Autos so gezeichnet, dass ich immer zusammengezuckt bin und mein Puls stieg, wenn ein Auto hupte. Erst über die Jahre ließ dies nach. Direkt am Haus ist eine Kreuzung mit Ampel, also gibt es auch Anfahr- und Abbremsgeräusche der Autos. Unten am Haus ist eine Kneipe mit entsprechend Lärm und nachts kommen auch mal Betrunkene und schreien herum oder klingeln sich durch die Klingelschilder durch, weil sie es ja so witzig finden. Es ist eine Wohnung mit hohem Stresspegel durch die Umgebung. Um nach Hamburg zu kommen, wo ich arbeiten muss, stehe ich morgens um 5 Uhr auf, fahre um 6 mit der Straßenbahn los zum Hauptbahnhof, nehme den ersten Morgenzug nach Hamburg und bin dann gegen kurz nach 8 dort. Nach der Arbeit fahre ich wieder zurück, es ist dann meistens 18 Uhr, vor 20 Uhr bin ich seltenst zu Hause. Es bleiben nun gerade noch 9 Stunden, aber ich möchte ja auch den Haushalt machen, mit Freunden reden, für meine Freundin da sein. Meist komme ich nicht vor 23 Uhr ins Bett und der Schlaf sind maximal 6 Stunden, oft weniger. Was ich kann, hole ich im Zug nach.
So geht es nun ein Jahr lang, in dem ich alle 5 Tage pro Woche nach Hamburg fahre. Es ist völlig nervenzerreibend und teuer, aber ich wollte es ja so. Nach dem Jahr ist mein befristeter Vertrag ausgelaufen, ein unbefristeter wird mir angeboten. Ich nehme an, aber nur unter der Zusage, dass ich höchstens 1 – 2 Mal pro Woche nach Hamburg fahren muss. Mein Chef stimmt zu und damit wird dies etwas entspannter. Es vergehen nun weitere 2 Jahre, bis 2009. In dieser Zeit pendele ich immer noch häufiger nach Hamburg, außerdem bin ich ja frisch studiert und möchte alle Erwartungen erfüllen, die an mich gestellt werden. Ich mache Überstunden, Nachtarbeit, Rufbereitschaft und versuchen allen Anforderungen gerecht zu werden, überfordere mich damit langsam selbst. Zu Hause bin ich weiterhin dem ständigen Umgebungslärm der Wohngegend ausgesetzt, privat ergeben sich die ersten Schwierigkeiten in meiner Beziehung und nicht jeder Streit endet in einem Kompromiss.

Zu dieser Zeit kommt es in meinem engen Familienkreis zu einem Fall mit depressionsartigen Verstimmungen, Verlust der Lebenslust und Selbstmordgedanken. Nachdem es fast eskaliert wäre, sieht mein Angehöriger ein, dass seelisch-psychische Hilfe dringend nötig ist. Zu diesem Zeitpunkt sind psychische Krankheiten für mich etwas für Bekloppte, die in die geschlossene Anstalt gehören. Ich kann nicht verstehen wie man so etwas haben kann, verstehe meinen Angehörigen nicht mehr. Ich tue später die Erklärungen zu der Krankheit mit „das wird schon wieder“ ab, ist ja schließlich „nur“ psychisch, womit ich die Person sicher sehr verletzte. Ich habe noch keine Ahnung, was auf mich zukommen wird … .

Das erste Mal Todesangst

Es ist das Jahr 2009. Meine Vergangenheit war von viel Stress gekennzeichnet, Stress den man unbedingt abbauen und auch entgegen wirken muss, doch dies habe ich weder gemacht noch verstanden. Gefühle wie Weinen habe ich nie gezeigt, sowas machen starke Männer ja nicht, ich habe alles in mich hinein gefressen. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht weiß: Mein persönliches „Stress-Fass“ ist voll, randvoll. Es droht überzulaufen und das wird nun passieren.

Es beginnt eigentlich harmlos, mit einem Urlaub. Urlaube sind immer das beste, um eine solche Störung zu beginnen. Warum? Weil man fast das ganze Jahr über auf Hochspannung läuft und gar nicht merkt, was einem der eigene Körper und die Seele zurufen. Für manche endet dieser Hilfeschrei mit einem Herzinfarkt oder Schlimmeres. Im Urlaub jedoch versucht man herunterzukommen, sich zu entspannen. Das Grundrauschen um einen wird geringer, die beste Gelegenheit für Körper & Seele einem zu zeigen, dass etwas gar nicht in Ordnung ist und daran auch der Urlaub nichts ändern wird, denn die Realität und der Alltag kommen ja bald wieder. Und in dieser versuchten Entspannungsphase können sie sich besser Gehör verschaffen.

Der Urlaub ist ein Abenteuerurlaub in Schweden. Meine Freundin und ein Freund von mir sind dabei, wir sind also zu dritt. Wir packen das Auto und fahren dann über Dänemark nach Schweden. Es steht Wandern in den schwedischen Wäldern auf dem Programm, mehrere Tage Paddeln in der Wildnis, außerdem zwei Tage Fahrt mit einer Draisine. Übernachten werden wir im Auto und Zelt. Bei der Hinfahrt haben wir ein erstes Ziel: Eine Ferienhütte eines Arbeitskollegen, der dort seinen Sommerurlaub mit seiner Familie verbringt, ihm gehört die Hütte. Sie liegt in Südschweden und fast auf unserer Route, daher hatte ich abgemacht, dass wir ihn dort besuchen kommen und auch übernachten können. Wir treffen uns gen späten Nachmittag mitten in Schwedens Wildnis, jegliche Dörfer sind weit weg, aber das Handynetz ist gut, und so können wir sein und unser Auto zusammen lotsen. Wir fahren zusammen zu der Hütte mitten im Wald und verbringen dort einen netten Abend. Innerlich entspanne ich mich immer mehr, der Urlaub beginnt, doch meine Seele wittert ihre Chance. Es wird der nächste Morgen sein, der mein Leben auf einen Schlag völlig aus dem Ruder bringen wird.

Morgens beginnt alles noch harmlos und gemütlich: Trotz einer von Mücken geplagten Nacht sitzen wir nett am Frühstückstisch, unterhalten uns über den kommenden Urlaub und es gibt lecker Frühstück. Es gibt vor allem etwas, das im Folgenden eine tragende Rolle spielen wird: Kaffee. Mein Kollege ist ein großer Freund von Kaffee, es gibt viel und reichlich, sehr stark gekocht und in großen Kaffeebechern. Ich habe das Koffein in Kaffee nie so gut vertragen, und das schon bei einer normalen Tassengröße. Erfahrungen aus meiner Vergangenheit zeigen mir, dass ich dann nicht nur unruhig werde, sondern zitterig und meine Gedanken können sich nicht mehr gut auf ein Thema konzentrieren. Manche Menschen macht Kaffee wach und konzentriert, bei mir ist es eher das Gegenteil. Doch diesen Morgen denke ich nicht daran, es ist ja auch Urlaub, ich mache wozu ich Lust habe. Ich trinke zuviel Kaffee und es wird sich bald bitter rächen.

Nach dem Frühstück verabschieden wir uns und fahren weiter gen Norden. Nun kommen weitere Faktoren zusammen: Mein Freund entscheidet, dass sein Navi die richtige Strecke zu unserem Ziel gesucht hat, während ich auf meinen Papierkarten beharre, die ich dabei habe. Das Navi ist auf die kürzeste Strecke programmiert, diese verläuft auf kleinsten Feldwegen mitten durch Schwedens Pampa, ein ständiges hoch und runter und links und rechts. In Schweden sind solche Wege halt Straßen. Ich versuche meinem Freund klar zu machen, dass es Fernstraßen in Schweden gibt, auf denen man schneller fahren kann und die geebnet und gerade sind. Doch er winkt ab, die Fernstraßen verlaufen ihm zu weit weg vom Ziel, er ist der Fahrer, er bestimmt die Route. Wir streiten uns kräftig und ich gebe entnervt auf. Wir fahren seit über einer Stunde auf diesen Mini-Straßen, es ist die reinste Schaukelei, und ich rechne hoch, dass wir noch weitere 4 Stunden so fahren müssen. Meiner Freundin wird langsam schlecht und sie möchte, dass wir eine vernünftige Route einschlagen. Keine Chance, mein Freund bleibt hart.

Etwas später rächt sich die Straße auch bei mir: Da ich nicht fahre, wird auch mir schlecht und mulmig, dazu kommt die angestaute Wut auf meinen Freund. Und nun passiert etwas, das mein Leben für immer verändern wird: Während ich sitze bemerke ich, dass mir nicht nur übel ist, sondern dass meine Hände total kalt und weiß sind. Ich merke, dass mein Herzschlag deutlich höher ist als normal. Ich fühle, wie ich Schweißausbrüche am Körper bekomme, wie mir in kürzester Zeit furchtbar unwohl wird. Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Ich merke, irgendetwas stimmt gar nicht, aber ich weiß nicht was. Und ich bekomme Angst. Angst, dass etwas mit mir nicht stimmt und ich hier, mitten in der Wildnis von Schweden, weit weg von jeder Stadt, verrecken könnte. Durch die Angst wird mein Puls immer schneller, er rast nun geradezu. Ich spüre ein beklemmendes Gefühl in der Bauchgegend und ich fange an zu zittern. Ich sage meinem Freund, das mir gar nicht wohl ist, er fragt warum, doch ich weiß es nicht. Es vergeht die Zeit nun in Zeitlupe, meine Gedanken verlieren völlig den Fokus zu meiner Umgebung, ich bin nur noch bei mir und meinem Körper und bemerke jede kleinste weitere Veränderung, die auf irgendetwas schlimmes hindeutet. Ich bin fast unansprechbar geworden, verloren in meiner Angst. Mein Herz schlägt so schnell, dass es immer wieder aus dem Takt gerät und stolpert, dies tut in der Brust weh und ruft bei mir einen Gedanken hervor: Herzinfarkt, ich kriege einen Herzinfarkt! Um meine Brust und Bauch hat sich ein Stahlgürtel gelegt und zugezogen, ich bekomme kaum mehr Luft, fange an äußerst unregelmäßig und viel zu schnell zu atmen. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich nicht, was los ist, aber später werde ich es wissen: Ich habe meine erste Panikattacke.

Hilflosigkeit

Meine beiden Begleiter merken mittlerweile, dass etwas mit mir nicht stimmt, halten an. Ich springe aus dem Auto und lege mich auf den Boden. Ich weiß nicht, was ich machen kann, aber eines merke ich deutlich: Ich muss raus aus dieser Situation, raus aus dem Auto, fliehen! Dass ich vor meiner eigenen Angst fliehe, weiß ich jetzt noch nicht. Ich liege auf dem Boden, bekomme Wasser und Traubenzucker. Es vergehen gefühlte Ewigkeiten, in denen ich Angst habe zu sterben. Ich klammere mich an der Wasserflasche fest. Wasser wird für lange Zeit mein Begleiter werden, denn es hilft, ich werde ruhiger, die Symptome gehen langsam zurück. Menschen mit einer Panikstörung haben oft „Helferlein“ dabei, die ihnen helfen, wieder ruhiger zu werden, obwohl diese oft keinen wirklichen medizinischen Nutzen haben; diese Helfer haben aber in der Vergangenheit scheinbar Linderung verschafft, dadurch empfindet der Kopf diese als beruhigend und man achtet darauf, immer welche dabei zu haben. Sie sind sozusagen der Rettungsanker, an den man sich im Sturm der Panik klammern kann. Diese Helfer sind bei jedem Menschen anders und können einen oder mehrere beinhalten; manche sehen zum Beispiel den Partner als ihren Helfer, was für diesen sehr belastend sein kann, weil der Partner dann immer in der Nähe sein muss. Manche greifen auch zu echten Medikamenten wie (rezeptfreien) Beruhigungsmitteln, dosieren diese aber oftmals höher als empfohlen, und wieder andere versuchen mit allen Mitteln an rezeptpflichtige Medikamente heranzukommen. Ich werde später immer häufiger Baldrian schlucken, bis ich davon Kopfschmerzen bekomme, und Beta-Blocker dabei haben.

Es dauert bei mir nun bestimmt 10 Minuten, bis das Kribbeln endlich verschwunden ist. Ich sitze erschöpft auf dem Boden und keiner weiß, was passiert ist. Wir beginnen zu überlegen, doch eine Lösung findet niemand. Da es nun vorbei ist, können wir ja vorsichtig weiterfahren, also steige ich wieder ein. Eine Weile geht es auch gut, aber nach vielleicht 30 Minuten beginnen die Symptome erneut. Ich merke wieder Kribbeln, Pulserhöhung, Angst, eine Klammer um die Brust. Wir halten erneut an, ich bekomme mein Wasser, und die Symptome klingen bald wieder ab, bei weitem nicht so schlimm wie beim ersten Mal. Völlig ratlos sitzen wir da. Mein Handy hat Empfang: Ich rufe einen Freund aus Deutschland an, der im Rettungsdienst arbeitet, ich erzähle ihm meine Symptome. Er ist auch ratlos, spricht sich aber deutlich gegen einen Herzinfarkt aus, dann hätte ich jetzt andere Sorgen. Er rät mir, das nächste Krankenhaus anzusteuern. Wir bleiben ratlos und überlegen weiter. Dann kommt meiner Freundin die richtige Idee: Kaffee! Wie oft habe ich bei Kaffeekonsum schon stark reagiert und sie dies mitbekommen. Und heute morgen? Ich habe getrunken wie ein Pferd am Fluss. Natürlich, der Kaffee muss es sein! Das passt doch alles, das Herzrasen, Zittern, typische Symptome bei zuviel Koffein, besonders bei mir. Wir haben eine Lösung gefunden und ich bin so dankbar, dass ich mich lange nur an diesen einen Grund klammern werde, obwohl er nur ein Puzzle-Teil von vielen ist, doch all die anderen Gründe ignoriere ich vorerst. Dieser Tag wird bewirken, dass ich mehrere Jahre keinen Kaffee mehr trinke, weil ich Angst vor einer erneuten Panikattacke habe. Ich beginne somit langsam mit einem Vermeidungsverhalten, das sich immer mehr ausdehnen wird.

Wir fahren wieder weiter und ich beginne einen sehr großen Fehler: Ich beobachte meinen Körper sehr genau, auf das kleinste Anzeichen einer „Unregelmäßigkeit“, die eine erneute Attacke ankündigen könnte. Ein Körper hält sich nicht an Regeln, er läuft nie ständig gleich. Natürlich dauert es nicht lange und ich bemerke, dass mein Herz schneller schlägt, vermutlich aus einem völlig belanglosen Grund. Doch ich beschließe, jeglicher Wiederholung der Symptome gleich einen Riegel vorzuschieben, und wir halten wieder an, ich steige wieder aus. Ich kann nicht wissen, dass ich mir gerade 2 Dinge eintrainiere, die meine Attacken chronisch machen werden: Die völlig übertriebene Überwachung des eigenen Körpers und die sofortige Flucht aus einer Situation, welche Angst auslöst.
Ich rufe meinen Freund in Deutschland nochmal an, erkläre ihm das mit dem Kaffee: Er sagt, es gibt keine Möglichkeit Koffein schneller abzubauen, ich könne nur warten und Wasser trinken, mehr sei nicht möglich. Wir suchen uns auf der Karte einen See in der Nähe und beschließen, dorthin zu fahren und dann den Tag dort zu verbringen, damit es wenigstens eine nette Umgebung ist. Die Hoffnung beruht darauf, dass ich abends kein Koffein mehr im Körper habe und die Probleme aufhören. Der See ist einige Kilometer entfernt, doch ich weigere mich nochmal in das Auto zu steigen. Ich habe Angst davor, dass es wieder los geht. Ich gehe zu Fuß zum See, eine Flasche Wasser ist mein Begleiter, wie es in Zukunft oft der Fall sein wird, denn beim Trinken gehen die Symptome zurück.

Ich komme eine Stunde später am See an, wir verbringen den ganzen Tag dort, faulenzen und schwimmen. Es wird abends und wir packen ein. Der Entschluss steht, wir versuchen es nun wieder, das Koffein muss doch abgebaut sein. Wir fahren los und es passiert … nichts! Ich bin heilfroh, dass sich keine der Symptome wieder melden. Wir versuchen nun, den Verlust des Tages wett zu machen und fahren die halbe Nacht durch. Es ist eine sehr abenteuerliche Fahrt, wir sind weiter auf abgelegenen Pisten unterwegs und teilweise auf Schotterwegen im Wald, immer wieder huschen Schatten von Tieren vor unserem Scheinwerferlicht vorbei. Eine Stunde lang treffen wir nicht mal einen Menschen, Auto oder Haus. Gespentisch schön. Gegen 1 Uhr nachts erreichen wir unser Ziel und legen uns im Auto schlafen. Am nächsten Morgen kann der Urlaub richtig beginnen und es werden sehr schöne und abenteuerliche Tage in der stillen Natur. Kein einziges Mal bekomme ich wieder Probleme, und ich glaube das Thema hat sich damit für immer erledigt, war eine rätselhafte Phase meines Körpers. Ich werde mich irren, verdammt irren. Es geht erst richtig los. Dies war nur der Vorgeschmack auf meine Zukunft. Meine Seele wollte mir mitteilen, dass das Fass am Überlaufen ist, und ich habe es nicht verstanden. Sie wird sich wieder melden.

Der Urlaub endet leider spektakulär: Mit einem Diebstahl in Schweden. Beim Kauf der Fährkarten für die Fähre zurück nach Dänemark stellen wir das Auto auf einem Kurzzeit-Parkplatz ab, der nicht kameraüberwacht ist, und gehen alle drei in das Fährbüro. Die wenigen Minuten reichen, damit bei der Rückkehr die Seitentür des Wagens aufgebrochen ist. Mein Rucksack fehlt, wie ich schnell und entsetzt feststelle. Eine Anzeige wird ebenso wirkungslos sein wie die Suche nach den Tätern, die sicher längst weit weg sind; die Polizei informiert mich, dass die Chance auf Aufklärung praktisch null ist und die Diebstahl-Aufnahme pro conforma gemacht werden muss. Fast eine Stunde sitze ich verstört am Telefon und erzähle der Dame, was ich weiß und was alles an Beute in dem Rucksack war – ein schwieriges Gespräch, da sie nur wenig Englisch kann und ich noch unter Schock stehe. Der Wiederbeschaffungswert der Sachen wird mich später 1000 € kosten, die Versicherung zahlt nicht, da der Diebstahl im Ausland passiert ist; und dem Dieb wird der Tascheninhalt in vielen Fällen nichts nützen, wie z.B. eine an meine Sehstärke angepasste Brille. Ich hätte ihm lieber die Geldscheine hingeblättert, um mir die stressige Wiederbeschaffung des Rucksack-Inhalts zu ersparen.

Wie Angst chronisch wird und einem niemand hilft

Zurück in Deutschland läuft alles seinen gewohnten Gang: Der Alltag ist zurück, meine Arbeit, die laute Umgebung der Wohnung. Es vergeht über ein Monat und die Ereignisse des Urlaubs geraten in Vergessenheit. Alles scheint in Ordnung … scheint. Denn in Wirklichkeit habe ich noch nichts getan, um meiner Seele zu helfen. Dann kommt der verhängnisvolle Tag: Ich dusche, es ist draußen sehr warm, daher komme ich auf die Idee, mich kräftig kalt abzuduschen. Was dann passiert, verstehe ich erst später: Durch das kalte Wasser verengen sich die Blutgefäße, dadurch steigt der Blutdruck und ein wenig auch die Herzfrequenz. So weit ist das normal, doch in meinen Hintergedanken bemerke ich die Veränderung des Herzschlags und finde keine Erklärung. Durch die Veränderung des Blutkreislaufs bekommen meine Hände weniger Blut ab und fangen an zu kribbeln. Kribbeln? Schnellerer Herzschlag? War da nicht was? Vor einiger Zeit in Schweden? Es sind nur wenige Sekunden vergangen und dann durchschießt mich eine eisige Erinnerung an das Erlebte vor einem Monat. Binnen kürzester Zeit steigt Panik in mir hoch, die Erinnerung kommt zurück, es könnte erneut losgehen. Die Panik schürt den Panikattacken-Kreislauf, Adrenalin wird ausgestoßen, der Puls steigt rapide, mir wird übel. Ich schaffe es gerade noch aus der Dusche bis ins Schlafzimmer, bevor ich nicht mehr stehen könnte. Da liege ich nun auf meinem Bett und frage mich nur eines: Warum? Warum geht es wieder los?

Die Attacke geht vorüber, die Angst bleibt. Sie ist plötzlich so präsent, als wäre sie immer da gewesen. Ich stehe auf, gehe durch die Wohnung, horche in meinen Körper, ob etwas anders ist als ich es kenne. Körpereigene Symptome und Abläufe verändern sich ständig, auch der Herzschlag kann ohne ersichtlichen Grund schneller werden. Jetzt aber suche ich für jede Veränderung einen Grund, finde Veränderungen, aber keinen Grund. Es dauert nicht lange und ich kriege wieder Angst, dass ein neuer Schub kommt, rette mich ins Bett, wo bislang nichts passiert ist. Dies sind typische Rückzugsorte für Angstmenschen, wo sie sich sicher fühlen und deswegen auch nichts passiert. Jedoch werden die Anzahl solcher Rückzugsorte im Laufe der Zeit oft weniger, die (selbst auferlegten) Einschränkungen immer mehr. So vergeht dieser Tag, den Folgenden melde ich mich bei meiner Arbeit krank. Meine Freundin beschließt einen Arzt zu rufen, dieser kommt vorbei und untersucht mich, aber findet nichts. Er sagt, ich solle mich per Krankentransport ins Krannkenhaus bringen und dort untersuchen lassen.

Wir rufen einen Krankenwagen, packen meine Sachen für das Krankenhaus. Der Wagen kommt: Es sind Zivis vom DRK, die mich fahren werden. Ironisch denke ich daran, dass ich vor wenigen Jahren selbst meinen Zivildienst beim roten Kreuz gemacht habe und „auf der anderen Seite stand“. Wir quatschen ein wenig darüber und ich erzähle meine rätselhaften Symptome. Eine Erklärung weiß keiner. Es geht in den Krankenwagen und dann los. Die Fahrt wird zur Hölle: Während der Fahrt wird mir bewusst, dass ich nicht weg kann, wenn ich wieder Angst bekomme, denn ich kann ja nicht einfach darum bitten, dass der Krankenwagen halten soll und ich einen Beruhigungs-Spaziergang mache. Solche „ich kann meine Angst dem Anderen nicht verständlich machen, bin aber gerade von ihm abhängig“-Gedanken triggern eine Attacke sehr oft, weil man im Kopf seine Fluchtmöglichkeit vor der Angst versperrt sieht, was diese erst recht auslöst.

Wie erwartet starten meine Gedanken den Angstkreislauf sofort. Eine neue Panikattacke beginnt, es wird die schwerste die ich je erleben werde. Ich mache den Zivis klar, dass es wieder los geht; die fackeln nicht lange und bitten die Zentrale um Erlaubnis, mit Blaulicht fahren zu dürfen. Es wird meine erste Fahrt im Krankenwagen mit Blaulicht und Horn. Die Erkenntnis, ich könnte sterbenskrank sein, kommt zurück, das Martinshorn ist laut und stresst, ich möchte aus der Situation fliehen und kann nicht. Ich bettele regelrecht darum, dass wir anhalten und ich aus dem Wagen darf, aber natürlich geht das nicht. In der Zeit steigern sich meine körperlichen Symptome auf ein Maß, das ich weder für möglich gehalten noch geglaubt hätte, dass man es überleben kann: Mein Puls ist über 200, obwohl ich liege, meine Gliedmaßen eisekalt, ich schwitze am ganzen Körper, mir ist schwindelig, meine gesamten Gedanken sind gelähmt, meine Brust von einem Schraubstock zerquetscht, ich bekomme keine Luft mehr. Ich kann noch nicht wissen, dass fast alle diese Reaktionen von meinem Kopf aus gesteuert sind, der wie verrückt falsche Signale an den ganzen Körper schickt. Später wird man es „Synapsen feuern“ nennen, die Nervenzellen im Kopf spielen verrückt. Es geht soweit, dass ich Herzstolperer und -aussetzer bekomme, welche meine Panik draastisch verstärken. Irgendwo kommt ein Punkt, wo ich denke ich bin tot, mir wünsche tot zu sein, ich alles geben würde damit es aufhört. Ich fange an zu weinen, ich habe Angst zu sterben.

Im Krankenhaus angekommen stehe ich lange auf einem Flur der Notaufnahme und keiner kommt. Es ist spät abends, nur die Notfallbesetzung ist noch vor Ort, und die hat zu tun. Ich erlebe live was es heißt, sofort Hilfe zu brauchen und keine zu bekommen. Gefühlte 5 Minuten später kommen Ärzte vorbei und es folgenden die ersten Untersuchungen, ich bekomme einen Tropf mit Nährlösung. Ich beruhige mich langsam, einfach weil Hilfe da ist, ohne dass man mir groß etwas gegeben hätte. Die Panik verschwindet und es bleibt ein sehr erschöpftes Gefühl zurück. Panikattacken sind anstrengend, sie verbrauchen ungemein viel Energie, daher fühlt man sich nach einer Attacke ausgelaugt und müde. Die Ärzte entschließen, mich erst am nächsten Morgen weiter zu untersuchen, ich werde daher in ein Zimmer gebracht. Früh merke ich, wie sehr ich Krankenhäuser hasse: Auf die Toilette darf ich nicht, falls ich dort eine Attacke bekommen sollte, daher wird mir ein „mobiles Klo“ in die Hand gedrückt. Ich darf mich auf dem Zimmer erleichtern, meine beiden Mitschläfer im Zimmer sind also live dabei. Klasse Sache … . Die Nacht ist stickig und heiß, die anderen beiden machen ständig Geräusche im Schlaf, immer wieder kommen Schwestern herein. Morgens fühle ich mich richtig fertig und habe kaum geschlafen.
Den Vormittag folgen nun Tests: EKG, EEG, Belastungstests, Blut- und Urinprobe. Alles bleibt ohne Befund. Beim Belastungstest am Fahrrad schaffe ich dermaßen gute Ergebnisse, dass der Arzt meint, so gute Werte sieht er nur selten. Ich lache, doch innerlich möchte ich weinen. Gen Mittag will mich mein Vater im Krankenhaus besuchen, doch ich bekomme schon vorher die Hiobsbotschaft: Die Ärzte machen ihre Visite bei mir und teilen mir mit, dass ich kerngesund bin, super Werte hätte, es gäbe keinerlei Anzeichen für körperliche Probleme. Sie könnten daher nichts weiter für mich tun und entlassen mich. …? Wie bitte? Gestern abend hatte ich das Gefühl zu sterben und heute bin ich top-gesund? Ich will protestieren, fühle mich doch elendig krank. Aber was hilft es … ich merke langsam, dass die mir im Krankenhaus nicht glauben. Ich bin ein Simulant. Psychische Krankheiten werden im Krankenhaus nicht erkannt; ich habe Freunde, die im Krankenhaus arbeiten, die können mir das noch Jahre später bestätigen. Das Wissen um diese Krankheiten und die passende Analyse setzt erst ganz langsam ein; wie der Stand heute ist, weiß ich nicht, ich hoffe aber dass er besser geworden ist. Mein Vater besucht mich jedenfalls nicht, er holt mich gleich ab und bringt mich nach Hause.

Da stehe ich nun wieder in meiner Wohnung – wo ich erst vor einem Tag war und es mir immer schlechter ging. In meiner Verzweiflung gehe ich zum Hausarzt, da muss ich eh noch wegen meiner Krankschreibung hin. Der Besuch verläuft ähnlich ernüchternd. Krankschreiben könne er mich nicht, ich hätte ja nichts. Ich kann mich später froh schätzen, dass mein Arbeitgeber die „freien Tage“ auch ohne Krankschreibung akzeptiert. Und was meine Angst anginge, meint er, „da stimme wohl was in meinem Kopf nicht“. Der erste richtige Tipp, seitdem dies alles los ging, aber formuliert als wenn ich in die geschlossene Anstalt gehöre. Er drückt mir eine Packung Tabletten in die Hand, Beta-Blocker. Ich soll eine Tablette nehmen, wenn die Angst wieder kommt. Erst habe ich keine Ahnung, was das eigentlich ist. Wie ich später heraus bekomme, drückt dieses Mittel die Herzfrequenz nach unten, ist verschreibungspflichtig und gehört zu den starken, nicht ungefährlichen Medikamenten mit deutlichen Nebenwirkungen. Die Packungsbeilage erzeugt bei mir alles, aber keinen Mut. Doch es könnte mein Herzrasen stoppen, wenn es wieder losgeht – willkommen in der Abhängigkeit von Helfern. Von diesem Tag an gehört das Medikament, neben Wasser, zu meinen ständigen Begleitern. Doch es wird nie vorkommen, dass ich auch nur eine Tablette davon schlucken werde – ein Erfolg, auf den ich noch stolz sein werde! Besonders der Tag, an dem ich die gesamte Packung ungeöffnet wegwerfen werde.

Vermeidungsverhalten

Nun gilt es, meinen Alltag wieder zu „meistern“, ohne wirklich therapiert zu sein: Mir ist bewusst, dass ich immer wieder Angst und Panik bekommen kann. Ich hatte sie beim Autofahren, also vermeide ich von heute an Autos komplett, ich steige bei keinem mehr ein. Ich hatte sie beim Duschen, daher traue ich mich viele Wochen nicht mehr in die Dusche und wasche mich lieber mit dem Waschlappen ab. Der Kaffee, ich werde ihn jahrelang nicht mehr trinken. Sogar meinen Alkoholkonsum stoppe ich komplett, da ich Angst habe, mich nicht ausreichend gegen aufkommende Panik wehren zu können, wenn ich angetrunken bin. Ich beginne schleichend mit einem immer intensiveren Vermeidungsverhalten und gehe allem aus dem Weg, wo ich mal Panik bekommen habe. Nebenbei klammere ich mich an alles, was mir irgendwie Linderung versprochen oder scheinbar gebracht hatte: Wasser, Beta-Blocker; ich kaufe mir Baldrian und werde lange Zeit täglich diese Tabletten zur Beruhigung nehmen. Doch die Ursache meiner Panik kenne ich nicht und gehe ich nicht an. Ich bin auf der falschen Fährte und versuche, mir durch Einschränkungen etwas Lebensqualität zurückzuholen, dabei es ist es genau das Gegenteil. So wundert es nicht, dass ich die folgenden Tage immer öfter und immer wieder Panikattacken bekomme. Besonders gerne dort, wo ich die Situation nicht sofort verlassen kann. Einkaufen wird zur Qual, fast immer bekomme ich in einem Laden Probleme und bin mehrmals kurz davor, den vollen Einkaufswagen stehenzulassen und aus dem Geschäft zu rennen. So vergehen Wochen, oft habe ich mehrfach pro Tag eine Attacke. Mein Leben wird unaushaltbar statt besser und ich weiß weiter nicht warum.

Den nächsten traurigen Höhepunkt der Krankheit erreiche ich wegen eines Urlaubs: Ich habe einen Wanderurlaub in den Alpen organisiert, schon bevor alles mit der Panik los ging. Der Termin rückt nun immer näher und mir wird bewusst, dass ich mit meiner Gruppe eine Woche weit weg von jeglicher Zivilisation unterwegs sein werde, in unebenem Gelände, im Notfall nur per Hubschrauber erreichbar. Ich habe solche Touren schon oft gemacht, bin bergerfahren und für Notfälle gerüstet, aber dieses Mal .. was ist, wenn ich eine Panikattacke erleide und doch mehr passiert, ich doch einen Herzinfarkt bekomme? Die Panik nicht mehr aufhört? Wo soll die Hilfe herkommen und wie schnell? Es sind die perfekten Gedanken, um den Urlaub abzubrechen und ich stehe kurz davor.

Der erste Lichtblick

Meine Freundin möchte das vermeiden; sie sieht, wie ich mich immer weiter isoliere. Ihr kommen schwache Erinnerungen, dass sie mal etwas von einer Art Angststörung gehört hätte, und sie geht auf Suche im Internet. Stunden später bittet sie mich einen Text zu lesen: Auch dieser wird mich für immer verändern. Der Text erklärt mir zum ersten Mal, was ich eigentlich an Gefühlen erlebe und beschreibt meine Empfindungen so deutlich und klar, dass ich ihn selbst hätte schreiben können. Er erklärt mir, was eine Angst- und eine Panikstörung ist, und wodurch man in diesen Kreislauf geraten kann. Der Text erklärt auch, dass es hierbei um ein komplexes Zusammenspiel zwischen Seele und meinem Ich geht, welches aus dem Gleichgewicht geraten ist. Mir wird schlagartig klar: Ich bin körperlich wirklich gesund, ich bin geistig krank, ich habe eine psychische Krankheit. Mir fällt mein Angehöriger ein und wie ich die Krankheit damals nicht verstehen konnte. Noch während ich lese, überrennt mich die nächste Panikattacke, wie zum Beweis dass alles stimmt. Doch dieses Mal passiert erstmals etwas Neues: Ich verlasse ich die Situation nicht, ich bleibe und lese weiter. Denn es wird auch erklärt, was eine Vermeidungsstrategie ist und dass Angstmenschen immer mehr das meiden, was ihnen Angst macht. Ich bleibe, ich gebe meiner Angst zum ersten Mal nicht nach! Mein Kampf gegen die Krankheit hat begonnen. Mir wird bewusst, dass ich den Urlaub machen muss und werde! Dass ich Literatur brauche, um mich in das Thema der Angst- und Panikstörung einzulesen, denn scheinbar ist der Gang zum Arzt sinnlos. Es wird Zeit, dass ich mir mein Leben zurückhole!

Dies ist der Punkt, den jeder Mensch mit Ängsten erreichen muss: Verstehen, dass er psychisch krank ist, nicht körperlich, egal wie sterbenskrank man sich fühlt. Und dass es in dem Sinne keine Krankheit ist, sondern eine Störung. Zwar können sich psychische Störungen auch irgendwann körperlich auswirken; wer sich z.B. isoliert, das Haus nicht mehr verlässt und viel Süßes ist, wird natürlich körperliche Probleme bekommen. Aber die Grunderkrankung ist seelisch und für diese gibt es Möglichkeiten zur Therapie! Der Hausarzt oder das Krankenhaus ist dafür kein passender Ansprechpartner. Aber andere Methoden helfen – und das erfolgreich, wie du noch sehen wirst.

Der Kampf beginnt

Mein erster Kampf gegen die Angst beginnt mit dem Urlaub, den ich nun doch mache. Ich beginne also, mein Vermeidungsverhalten nicht weiter auszudehnen. Während ich mich vorher unbewusst körperlich beobachtet habe, was sich an meinen Körpersignalen verändert und ob diese auf eine Panikattacke hindeuten könnten, fange ich nun an mich zu beobachten, wie ich mich beobachte. Zu realisieren, dass ich gerade dabei bin mich zu analysieren, ob sich eingeprägte Paniksymptome zeigen, ist anfangs wahnsinnig schwer. Mir fällt auf, dass ich beim Einsteigen in den Zug gen Alpen unruhig werde; klar, wenn erstmal die Türen zu sind, kann ich den Schnellzug für einige Zeit nicht verlassen. Der Urlaub selbst, die Wanderung, ist auch eine psychische Herausforderung: Solange ich wandere, habe ich natürlich einen höheren Puls; doch wenn ich stehen bleibe und mich erhole, sinkt dieser nur sehr langsam. Das ist ganz normal, doch mein Kopf fängt wieder die falsche Logik an: Du machst gerade gar nichts körperlich Anstrengendes mehr, aber dein Puls ist zu hoch = da kommt sicher eine Panikattacke.

Immer wieder muss ich bei dieser Tour den Kreislauf der Angst überhaupt erst mal bemerken. Und das ist schwer genug: Es ist der Sinn von Angst, dass man sich geistig auf nur noch wenige Dinge konzentriert. Ein Mensch, der in der Steinzeit einem Bären gegenüber stand, hatte auch nur die Wahl zwischen Kämpfen, Flüchten oder tot stellen. Er brauchte Adrenalin und einen hohen Puls, um schnell reagieren zu können, und die Angst war wichtig, um diesen Hormonschub in Sekunden zu bekommen. Außerdem war er gedanklich nur noch auf den Bären fixiert, die schönen Blumen auf der Wiese waren uninteressant. In der heutigen Zeit kann man so eine Begegnung mit seiner Angst ebenso haben, z.B. wenn man alleine unterwegs ist und auf einen herrenlosen Hund trifft, der einen anknurrt oder sogar anfällt. Dann würden sich die eigenen Gedanken sehr fokussieren, also auf das Wesentliche / Wichtigste einschränken, von Kampf bis Flucht. Bei der Panikstörung gibt es aber keinen Anlass außer sich selbst. Anfangs unbemerkt aktiviert sich die psychische und körperliche Angstbereitschaft und der Blick samt eigener Gedanken schränken sich immer mehr ein. Genau dies muss ich nun immer wieder bemerken, also dass mir unwohl wird und sich mein Gedankenfeld einzuschränken beginnt, und daraus ausbrechen, bevor es immer schlimmer wird und der Kreislauf sich verselbstständigt. Wie kann man das schaffen? Ich sehe gedanklich den Bären vor mir und schaue mir trotzdem die Blumen an 🙂 Denn den Bären gibt es gar nicht, er ist das Konstrukt meiner Angstgedanken. Es droht keine Gefahr, also muss ich mich solange ablenken, meine Gedanken immer wieder auf etwas anderes bringen, bis das Angstgefühl vorüber ist. Dies gelingt mir mal gut, mal schlecht und mal gar nicht. Doch es ist ein Anfang und ich beginne stolz zu sein, wenn ich eine beginnende Attacke bemerke und stoppen kann!

Selbst-Therapie

Nach dem Urlaub fange ich an, mir Bücher über das Thema Ängste zu besorgen. Eines davon ist so klasse, dass ich beim Lesen mehrfach weinen muss: Der Author ist ein Psychologe auf dem Gebiet der Angststörungen und hat im Laufe seiner Arbeitsjahre selbst eine Panikstörung entwickelt. Vielleicht, weil er soviele Angstpatienten behandeln musste? Er kann daher seine eigenen Erfahrungen und Tipps beschreiben, sowohl aus menschlicher als auch als wissenschaftlicher Sicht. Das Buch wird mir am meisten bringen (Roger Baker, „Wenn plötzlich die Angst kommt“). Alleine das Titelbild mit einem kleinen Bootsfahrer, der überrascht von einer riesigen Flutwelle überrollt wird, sagt viel aus. Ich fange nun an mir aufzuschreiben, wie stark meine Ängste werden können, wann ich es geschafft habe sie zu behindern oder sogar so gut zu unterdrücken, dass ich nur wenige körperliche Symptome bekomme, und in welcher Situation. Diese Notizen sind wichtig, denn nichts vergisst man schneller als vergangene Erfolge – so kann ich später nachlesen, was ich alles geschafft habe und kann auch einen Vergleich zu meinem Ist-Zustand ziehen, wieviel ich erreicht habe. Es wird eine Art Angst-Tagebuch.

Dann schreibe ich mir alle Situationen auf, wo ich schon mal Angst hatte, und vermerke mir Orte, die ich derzeit meide oder wo ich mich unwohl fühle: Kalt duschen, Kaffee trinken, Stresssituationen, Auto, Bus, Bahn, Freizeitpark, Kino, Fahrstuhl, Menschenmassen, Einkaufen, … und all die Situationen, die ich noch gar nicht kenne, aber die ich erleben werde. Denn meine Arbeit gegen die Angst steht erst ganz am Anfang und ich bin mir bewusst, dass ich die Angst an einem Ort oder bei einem Erlebnis vielleicht besiegen werde, aber sich diese woanders aufbauen kann. Eine Panikstörung ist tückisch und gibt nicht leicht auf, aber meine Aufgabe ist klar: Ich werde mich nach und nach all diesen Situationen wieder stellen müssen, ich werde in sie hinein gehen müssen und auf die Panikattacke warten. Da ich damit rechne, dass ich eine bekomme, wird sie kommen, und nun ist es ganz wichtig, kein Vermeidungsverhalten zu zeigen: Egal wie schlimm es wird, ich bleibe in der Situation. Es wird Fälle geben, wo ich es nicht aushalte und doch gehe, aber in vielen Fällen halte ich durch.

Eine Panikattacke beginnt mit Unruhe und Nervosität; sobald ich diese Gefühle bemerke, steigert sich mein Unwohlsein schnell bis zur Angst. Das alles dauert vielleicht eine Minute, ein wirkliches Zeitgefühl ist während einer Attacke schwer zu bestimmen, da sie mir ewig vorkommt. Sobald die Angst beginnt, geht alles blitzschnell: Der Körper schüttet massiv Adrenalin aus, welches nicht verbraucht wird und die körperlichen Symptome rasend schnell verursacht, welche mir Todesangst machen. Ich spüre nun regelrecht, wie sich die Angst vor der Angst aufwallt, als große Welle auf mich zukommt. Der Angstkreislauf startet, bis ich schiere Panik verspüre. Es vergehen vielleicht 5 Minuten, in denen ich mich völlig in mich selbst und meine Körperbeobachtung zurückziehe, sinnlos gegen eine übermächtigen Angst-Gegner ankämpfen will, dann ist der Höhepunkt erreicht. Der Körper kann diesen Zustand maximaler Anspannung nicht ewig halten, das hat einen einfachen Grund: Es ist ein Extrem-Verhalten des eigenen Körpers, alles ist in Alarmbereitschaft, der Adrenalin-Ausstoß maximal, dieser Zustand kostet ungemein Energie und lässt sich nicht ewig aufrecht erhalten. Verlasse ich die Situation, nehmen die Symptome sehr schnell ab, bleibe ich, zieht es sich hin. Doch irgendwann beginnen die Symptome ganz langsam schwächer zu werden und nach weiteren bis zu 10 Minuten ist alles vorbei. Es bleibt eine körperlich-psychische Erschöpfung zurück, aber oft ebenso psychische Hochstimmung: Ich habe es geschafft, ich bin nicht geflohen! Ich lebe! Es funktioniert! Ich kriege mein Leben zurück! Juhu!

„Verhaltenstherapie“ vs „Tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie“

Die Strategie, mit welcher ich hier meine Ängste angehe, nennt sich in der Psychologie Verhaltenstherapie. Hier geht es darum, sein Verhalten bei Angstsituationen zu hinterfragen, also den Blick auf die Gegenwart und Zukunft zu richten. Als Messstab können zum Beispiel zwei Dinge dienen: Wie verhalten sich andere Menschen in der Situation, haben diese auch Angst, sind sie nervös, laufen sie davon? Und wie habe ich mich verhalten, bevor dies alles begonnen hat, also welche Lebensqualität habe ich eigentlich für die Angst aufgegeben? Beides sind Möglichkeiten zu erkennen, was ein angstfreies Verhalten wäre – das, was ich verlernt habe. Anschließend geht es darum, gezielt die gefürchteten Situationen aufzusuchen und den Ängsten standzuhalten. Es ist dabei wichtig, nicht gegen diese anzukämpfen, denn das ist körperlich und psychisch sehr anstrengend und wird nicht das bewirken, worum die Verhaltenstherapie geht: Die Ängste bis zum Ende zu durchleben. Das ist ungemein brutal und doch befreiend, denn nach jeder Attacke stelle ich fest, dass ich noch lebe, keinen Herzinfarkt hatte, keine meiner Ängste eingetreten ist und ich zudem gewonnen habe – zumindest dieses Mal. Die Angst wird sich noch oft zeigen, doch jedes Mal wird sie schwächer werden.

Es ist wichtig zu wissen, dass man auch Ängste und Lebenseinschränkungen haben kann, die man gar nicht sieht. Wenn man z.B. von Kindheitsbeinen gewohnt ist, nachts alleine im Wald Angst zu haben, wird man diese Angst als Erwachsener behalten und bei der kritischen Selbstbetrachtung gar nicht bemerken, „weil das schon immer so war“. Und doch ist auch dies eine Art Angststörung. Ich selbst habe eben diese Angst auch und erst bei meiner Betrachtung von mir selbst bemerke ich dies; da kein Mensch ohne Angst sein kann, muss man irgendwo die Grenze ziehen, an was man arbeiten möchte und was OK ist. Ich überlege bei meinen Langzeit-Ur-Ängsten, ob diese mich eigentlich unbewusst einschränken und an Dingen hindern, die ich gerne machen möchte. So entschließe ich, mich auch der Angst „alleine nachts im Wald“ zu stellen, während meine Angst vor langen Flugreisen bleiben darf, da mir Europa als Reiseziel völlig reicht. Ich muss also zumindest lernen, mich kurzen Flugreisen zu stellen. Auch dies werde ich noch angehen.

Eine zweite Strategie bei der Angstbewältung ist die „Tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie“. Hierbei geht es um die eigene Vergangenheit und welchen Einfluss diese auf die Gegenwart hat. So können Ereignisse in der Vergangenheit das Trauma oder Problem der Gegenwart verursacht haben. Die Angst vor dem Alleinsein im dunklen Wald ist auch nicht angeboren, sie kommt meistens durch das Verhalten der Mitmenschen zu Stande, da viele Menschen diese Angst verspüren. Gerade Kinder adaptieren das Verhalten Erwachsener bzw. ihrer Eltern und entwickeln dieselben Ängste. Dabei hat man nachts im Wald seine Ruhe vor Menschen, böse Männer hinter dem Baum gibt es nicht, aber dafür erwacht eine faszinierende Tierwelt zum Leben, die tagsüber eher Angst vor uns hat – und nachts übrigens auch 😉 Ebenso können Traumas wie „Steckenbleiben im Fahrstuhl“ oder auch die erschreckenden Erzählungen anderer Menschen zukünftige Ängste auslösen. Ein Beispiel sind hier die Medien und Berichterstattungen über negative Ereignisse, die leider viel häufiger im Fernsehen vorkommen als positive. Negatives wirkt im Gehirn stärker und merkt man sich länger, so können selbst Nachrichten (von weit weg) zu einem Angstverhalten führen. Bei der Tiefenpsychologie geht es darum, diese Trigger zu finden und neu aufzulösen, die meist aus der Vergangenheit kommen: Der dunkle Wald ist gar nicht böse, der enge Fahrstuhl kann technisch gar nicht abstürzen. Man kann der Situation im Fahrstuhl zwar nicht entkommen, aber hätte sich albern mit Stockwerkknopf-Bingo oder Kennenlern-Spielen die Zeit vertreiben können, bis Hilfe da ist. Im Wald kann man Tieraugen suchen gehen und das Tier dahinter erraten. Sprich: Die Angst neu bewerten. Ich persönlich lehne diese Seelenklempner-Analyse, wie ich sie anfangs beschimpfe, erstmal ab und halte sie für sinnlos. Doch später lerne ich, dass ich sie auch brauchen werde und man am besten beide Therapie-Formen kombiniert, um erfolgreich zu sein.

Weg mit den Helferlein!

Meine nächste Beschäftigung gilt nun den „Helferlein“: Viele Angstmenschen haben immer etwas dabei, von dem sie wissen, dass es ihre Ängste lindert. Das sind meist Dinge, die ihnen bei vorigen Situationen (zufällig) geholfen haben oder auch Medikamente, meistens Beruhigungsmittel oder Beta-Blocker. Andere sehen in Menschen, oft dem Partner, ihren Helfer, und können ohne diesen nichts mehr tun, verlassen nur mit ihm das Haus. Diese Helfer sorgen dafür, dass man sich innerlich an eine Rettung klammert, die gar nicht relevant ist, nicht gebraucht wird. Denn das Problem und auch die Lösung existiert alleine im eigenen Kopf! Bei anderen Menschen als Helfer wird dies das Miteinander auf Dauer beschädigen, die ständige Anwesenheitspflicht, was soweit gehen kann, dass sich der unfreiwillige Helfer vom Angstmenschen abwendet. Es ist für mich unglaublich schwer, mir immer wieder einzureden, dass alles, was ich brauche, um meiner Angst entgegen zu treten, nur ich selbst bin. Ich bin mein eigenes Problem und meine eigene Lösung, mehr benötige ich nicht. Keine Helfer, keine Menschen, nur mich selbst.

Ich fange an alles aufzuschreiben, was ich gerne mit mir nehme: Wasser, Beruhigungsmittel wie Baldrian, Beta-Blocker. Dann überlege ich mir, was ich an nicht-physischen Helfern habe, was ich z.B. mache, um mir eine Situation angenehmer zu gestalten: Ich lege mich hin, wechsele auf einem Stuhl ständig die Sitzposition, verkrampfe meine Hände. Ich weiß, dass ich in Zukunft immer mehr darauf achten muss, meine Helferlein nach und nach nicht mehr dabei zu haben und Verhaltensweisen zur scheinbaren Linderung nicht mehr anzuwenden. Anfangs nehme ich meine Helfer nur für kurze Spaziergänge um das Haus nicht mit, immer in dem Wissen, sie schnell wieder erreichen zu können. Dann dehne ich das Zeitfenster immer weiter aus. Und wenn ich diese sicherheitshalber doch dabei habe und eine Panikattacke kommt, versuche ich meine Helfer nicht zu benutzen. Es wird mich fast 2 Jahre kosten, bis ich mich von allen Helfern gelöst habe und nur noch mit meinem Kopf arbeite, aber es wird funktionieren!

Gedankenspiele

Nun brauche ich Strategien, was ich aktiv tun kann, wenn ich drohende Panik bemerke: Ich kann natürlich „einfach“ abwarten, ob sie kommt und wie heftig sie werden wird, aber einfach ist das überhaupt nicht. Eine Panikattacke ist die Ausgeburt der Hölle. Ich möchte möglichst keine mehr erleben und doch kommen sie immer wieder. Keiner möchte in seinem Leben gefühlte 1000 Mal sterben – oder mehr. Also suche und recherchiere ich nach Möglichkeiten, die mir aktiv dabei helfen, eine Panik abzumildern, ohne die Situation zu verlassen. Hier gibt es beispielsweise folgende Möglichkeiten, die mir sehr helfen werden:

  • Ich lenke mich ab und schaue mir zum Beispiel Dinge in der Umgebung an.
  • Ich versuche mich zu entkrampfen, beginnende Muskelverspannungen wieder zu lockern.
  • Ich dränge die Angst im Kopf immer wieder zurück, indem ich ihr und damit mir sage, dass ich sie schon kenne und das x-mal mitgemacht habe. Dass ich nicht sterben werde und keine Angst vor ihr habe.
  • Ich beschäftige mich mit schönen Gedanken statt der Angst; ich biete mir dadurch selbst eine Belohnung, um die Situation durchzuhalten. Zum Beispiel denke ich daran, dass ich zurück zu Hause keine Hausarbeit mehr machen werde, sondern stattdessen gemütlich mein Buch weiterlese.
  • Ich visualisiere mir eine schöne Traumwelt, in der ich tolle Sachen erlebe, und in die ich immer dann eintauche, wenn ich sie brauche.

Der Sinn dieser gedanklichen Ablenkungen ist es, der Angst keinen Raum zur Entfaltung zu geben. Anfangs muss man dies dadurch realisieren, dass man seinen Kopf so mit anderen Gedanken beschäftigt, dass dieser keine Zeit mehr für die Angst hat. Mit mehr Übung wird dies ein unbewusster Automatismus werden, welcher die Angst zurückdrängt, bevor sie überhaupt entstehen kann. Solche Gedankenspiele kann man bereits üben, ohne eine Panikattacke zu haben; dann fällt es leichter sie im Notfall abzurufen.

Ein Gedankenspiel, das mir sehr gefällt, ist der Raum mit Tür: Ich halte mich in einem schön eingerichteten und ruhigen Raum mit einer Tür auf. Die Angst steht jedoch davor und möchte hinein. Ich schließe die Tür. Die Angst wird sie wieder öffnen, doch ich schließe sie erneut. Dieses Gedankenspiel kann einige Male passieren. Je intensiver ich mich in die Welt versetze, desto besser schaffe ich es, die Angst immer wieder auszusperren. Dann bin ich soweit, dass ich die Tür mit einem Schlüssel abschließe. Soll die Angst doch draußen vor Wut heulen! Im Raum ist es ruhig, es brennen Kerzen, es ist angenehm dämmrig und duftet lieblich, beruhigende Musik ist zu hören. Ich mag Massagen, also stelle ich mir vor, wie ich auf einer Liege in diesem Raum liege und massiert werde. An die Angst denke ich immer weniger und wenn sie sich in meine Gedanken schleicht, verdränge ich sie erneut; sie soll mein schönes Erlebnis nicht stören.

Ein weiteres Gedankenspiel hilft mir, Situationen positiv statt negativ zu beleuchten. Wenn ich eine potentielle Angstsituation schon vorher kenne oder erkenne, dass eine kommen könnte, kann ich diese von der guten Seite betrachten. Was hilft es mir, wenn ich die Situation hinter mir habe? Wenn ich in die Bahn steige, kann ich meinen Freund besuchen fahren. Wenn ich im Zug sitze, droht dort keine Gefahr, ich kann gemütlich sitzen, hab endlich Zeit zum lesen, schlafen, es gibt keinen Stress. Das Handy schalte ich vorher ab. Im Einkaufsladen gibt es viele leckere Sachen zu kaufen, die ich gerne haben möchte oder noch gar nicht kenne, aber bestimmt toll finden werde. Im Fahrstuhl auf den hohen Turm werde ich einen super Ausblick haben und das Wetter ist dafür perfekt.

Und wenn doch die Angst kommt? Dann helfen oft Fragen an sich selbst, die einfach zu beantworten sind und die Unlogik des eigenen Kopfes widerlegen:

  • Wovor habe ich Angst?
  • Ist diese Angst realistisch, haben auch andere Menschen gerade Angst?
  • Ist das, wovor ich Angst habe, jemals in der Vergangenheit eingetreten?
  • Hat mir die Angst mit all ihren schrecklichen körperlichen Symtomen jemals langfristig geschadet?
  • Was gewinne ich, wenn ich die Angst und Situation durchhalte?

Die Atmung

Es wird noch lange dauern, bis ich eine Strategie lerne, die sehr wichtig ist: Die Atmung. Vermutlich habe ich um dieses Thema lange einen Bogen gemacht, weil es mir die Angst befohlen hat. Erst als ich immer wieder lese, dass man mit ruhiger, langsamer, gleichmäßiger Atmung die Attacken gut besiegen kann, beobachte ich meine eigene Atmung bei Attacken: Und wirklich, ich atme hektisch, unregelmäßig, manchmal halte ich sekundenlang die Luft an. Selbst im eigentlich entspannten Zustand, ohne irgendeine drohende Attacke, atme ich sehr unregelmäßig, abgehackt und habe dadurch oft Luft in Magen und Darm.

Ich arbeite nun daran, regelmäßig und langsam zu atmen; tief einatmen, langsam ausatmen. Anfangs führt dieses Verhalten zu einer Steigerung des Unwohlseins, denn durch den besseren Sauerstofftransport der gleichmäßig-tiefen Atmung kribbelt mein Körper und dadurch kommt die Angst zurück. Aber ich lerne, dass dies Gefühl nur einige Sekunden schlimmer wird, dann wird es langsam besser. Der Körper muss sich erst daran gewöhnen, dass er nun besser mit Sauerstoff versorgt wird.

Langsames Atmen hat einen entscheidenden Vorteil: Dem Kopf, der auf eine Angstsituation eingestellt ist, wird die Grundlage entzogen. Wie kann ich in einer Angstsituation sein, wenn ich doch ganz normal und ruhig atme? Also schaltet der Kopf den Alarmzustand langsam aus. Außerdem kann der Körper den extremen Adrenalinzustand nur mit sehr viel Sauerstoff halten; diesen biete ich ihm durch die kontrollierte Atmnung nicht mehr und er muss herunterschalten. Anfangs ist dies wieder eine unglaublich schwierige Herausforderung, weil ich das Gefühl habe zu ersticken und hektisch nach Luft japsen will. Doch ich weiß, dass ich diesem Drang nicht nachgeben darf. Denn die Atmung ist verdammt wichtig bei Panikattacken! Sätze wie „Er hält vor Angst den Atem an!“ haben hier ihren Ursprung.

Offenheit & Sensibilisierung

Mein Leben beginnt eine neue Komponente zu bekommen, die psychsiche und seelische Beschäftigung mit mir selbst. Etwas, was ich vorher in meinem Leben nie gemacht habe, nie daran gedacht habe und irgendwie auch lächerlich empfand. Warum soll ich das auch tun, ich bin doch gesund und mein Körper funktioniert so, wie ich das will! Ja, das war früher. Je mehr ich nun darüber lerne, desto mehr bemerke und beobachte ich auch andere Menschen. Mein Freund im Rettungsdienst erzählt mir von einem Patienten mit Symptomen, die für ihn ein Herzinfarkt sind, für mich kann es auch eine Panikattacke sein. Ich erlebe Menschen, die bestimmte Sachen energisch vermeiden, die für mich selbstverständlich sind. Mir fallen Menschen auf, die in ruhigen Situationen völlig verspannt bis ängstlich wirken. Mir wird immer mehr bewusst, dass ich nicht alleine bin. Laut einer Studie haben 10 % der Menschen in Industrieländern eine mehr oder weniger starke Angststörung oder sogar mehrere. Manche vor einer Sache oder Situation, manche gleich vor mehreren Dingen, andere können das Haus nicht mehr verlassen. Mir wird bewusst, dass ich den Schlüssel zum Verstehen dieser Krankheit nun kenne, selbst erlebt habe, es erklären kann. Damit ist man nicht geheilt, aber der erste Schritt ist getan. Ich weiß, dass psychische Krankheiten zu dieser Zeit noch ein Tabu sind, über das man nicht redet. Doch ich möchte reden.

Ein Erlebnis am Ende des Jahres 2009, in dem auch meine Panikstörung begann, bricht mein Schweigen endgültig: Der Torwart des Hannoverschen Fußballvereins Robert Enke begeht wegen psychischer Probleme Selbstmord. Auch wenn ich zu der Zeit weder Fußball sonderlich mag noch die Wahl seines Todes gut finde, da er einen Lokführer mit hinein zog, so zeigt es mir doch, wo so eine Krankheit enden kann. Sein Tod findet weit über Deutschland hinaus Aufmerksamkeit, die Zeitungen sind voll davon. Ich wohne zu der Zeit in Hannover und gehe eines Abends alleine zum Eingang des Fußballstadions: Ich werde das Bild nie vergessen, selbst jetzt beim Schreiben kommen mir die Tränen. Wie dort hunderte Kerzen leuchten, ein riesiges Blumenmeer zu sehen ist, dutzende Menschen verharren daneben, manche still, andere weinen. Dieser Abend macht mir eines deutlich: Hier sind viele Menschen, die vielleicht gar nichts mit Fußball und dem Torwart zu tun haben, die aber wie ich verstehen wollen, warum dies passiert ist. Viele haben vielleicht nie psychische Probleme gehabt, können es sich kaum vorstellen, was man dabei durchmachen muss. Für diese ist so eine Verzweiflungstat fast ungreifbar, unverständlich. Ich möchte dies ändern, dass sie es verstehen. Andere Menschen kennen das Leiden vielleicht, sind selbst Betroffene und geschockt davon, wo ihre Krankheit hinführen kann. Diesen Menschen möchte ich helfen, dass es heilbare Auswege gibt.

Und so fange in der nächsten Zeit an, immer häufiger über meine Probleme zu reden. Ich verheimliche nicht mehr, dass ich eine Panikstörung habe und was das bedeutet, warum ich mich manchmal seltsam verhalte. Ich erzähle sie allen Freunden, die daran interessiert sind; denn viele wollen mich verstehen, wieso ich plötzlich dies und jenes nicht mehr mache. Natürlich wurde mein verändertes Verhalten in den letzten Monaten bemerkt; manche kennen die Geschichte von meinem Schweden-Urlaub, dem Kaffee und meinen unerklärlichen Symptomen. Von meiner Blaulichtfahrt ins Krankenhaus. Doch getraut, mich zu fragen, hatte sich bislang keiner. Mein Freund im Rettungsdienst und einer im Krankenhaus wollen darüber mehr wissen, weil die Schulmedizin zu dieser Zeit fast nur körperliche Probleme lehrt. Ich erzähle es auch meinen Arbeitskollegen, denn diesen haben den Krankenhausaufenthalt mitbekommen. Wer immer es wissen möchte, mit dem rede ich. Ich möchte Verständnis aufbauen bei denen, die sowas nicht erlebt haben. Nicht nur für mich, sondern auch für andere Betroffene. Damit man Menschen nicht pauschal verurteilt oder für verrückt erklärt, wenn diese „merkwürdig“ sind oder werden. Manche sagen, dass sie es nicht nachempfinden können, aber dennoch Respekt und Verständnis vor diesen Problemen bekommen, die für sie so ungreifbar sind. Mehr will ich auch nicht. Und ich bin erstaunt: Glaubte ich zu Beginn, dass ich durch meine Offenbarung Menschen abschrecken oder verlieren könnte, mich einige für schwachsinnig abstempeln, so erlebe ich fast immer Interesse und Verständnis. Selbst für die wenigen Prozente, wo mit wirklicher Ablehnung und Sprüchen wie „Das sind doch nur Ausreden!“ „Geh mal zum Psychiater!“ oder „Das wird schon wieder“ reagiert wird, habe ich irgendwo auch Verständnis. Schließlich war ich früher auch so. Psychische Störungen sind im Gegensatz zu körperlichen einfach unsichtbar, unanfassbar, und damit für manche Menschen nicht existent.

Wenn Verhaltensänderung nicht reicht

Doch trotz dieser Erfolge begehe ich einen Fehler: Ich konzentriere mich so sehr darauf, die Folgen meiner Probleme zu lindern und anzugehen, dass ich die Ursachen fast völlig vergesse. Was hilft es, ein Fass zu leeren, das immer wieder aufgefüllt wird? Ich werde lernen müssen, meine Vergangenheit, Gefühle und Umgebung zu beleuchten; dass ich meine Panikstörung nicht rein rational lösen kann. Ich bin ein Fan logischer Lösungswege, doch hier wird diese Einstellung zur Sackgasse. Erst einmal weiß ich von alledem noch nichts und wittere mich auf der Siegesspur …

Es vergehen viele Monate, in denen ich meine Panikattacken langsam mehr und mehr in den Griff bekomme. Ich bemerke sie schneller, kann sie früher abschwächen oder auch ganz stoppen. Es werden weniger, die Intensität der körperlichen Reaktionen wird schwächer. Ich erarbeite mir nach und nach Orte und Situationen zurück, vor denen ich Angst hatte. Doch ich merke auch, dass ich langsam an einen Punkt komme, wo es nicht mehr besser wird. Ein gewisses Grundlevel an Angst bleibt irgendwie bestehen und will trotz meiner Anstrengungen nicht weichen. Zum ersten Mal kommen mir Gedanken, dass diese Krankheit nicht besiegbar ist; dass ich sie ganz gut in den Griff bekommen kann, aber trotzdem mit ihr leben muss. Der Grundgedanke ist richtig: Die Muster einer Panikstörung sind in meinem Gehirn fest verankert, sonst wäre es nie zu einer chronischen Störung gekommen. Gehirnmuster kann man nicht löschen oder heilen, nur allmählich vergessen, aber selbst dann bleiben sie bestehen. Denn dabei werden die Verbindungen zu einer Erinnerung oder einem Muster entfernt, aber nicht das Muster an sich. Diese Verbindungen nennen sich Synapsen.
Denk an irgendeinen Urlaub in deiner Kindheit, der dir einfällt, und versuche dich zu erinnern, wie der Ort aussah, an dem du warst. Du wirst eine sehr verschwommene Erinnerung haben, die sich verbessern kann, wenn du immer wieder versuchst, dich daran zu erinnern. Die Gedanken sind nicht weg, sondern die Bindung zu anderen Gehirnteilen ist sehr schwach geworden; doch diese kannst du wieder verstärken. Und hier kommt das Problem: Wie soll ich die Gedankenmuster einer Panikattacke vergessen, wenn die Erinnerung daran doch immer wieder in meiner Gegenwart auftaucht?

Ich beginne zu begreifen, dass ich nicht nur an meinem Verhalten arbeiten muss, um meine Probleme zu meistern. Meine Umgebung, mein Lebensstil, mein gefühlter Stresspegel, meine emotionale Lage bekommen für mich eine Relevanz. Ich spreche mit meinem Chef auf der Arbeit, erkläre ihm meine Situation. Dank eines ärztlichen Attests, was mir mein Hausarzt immerhin ausstellt, auch wenn er sonst wenig hilfsbereit ist, werde ich von Rufbereitschaften freigestellt. Damit erspare ich mir den Stress, immer wieder 24×7 erreichbar sein zu müssen und bei jedem Problem auf der Arbeit innerhalb von 1 Stunde eine Lösung gefunden zu haben, sonst drohen Strafzahlungen; denn dies sind die Konditionen, unter denen wir Kunden betreuen. Damit ist es praktisch unmöglich, während einer Bereitschaft auch nur das Haus zu verlassen. Außerdem schaffe ich es, meinen Vollzeitjob um wenigstens 8 Stunden pro Woche zu verringern, wenn auch zeitbegrenzt. Ich bin froh, dass mein Chef meine Beweggründe versteht und mich nicht als faul abstempelt. Der verringerte Lohn ist zwar merkbar, aber was hilft mir alles Geld der Welt, wenn es mir gesundheitlich nicht gut geht? Am Ende habe ich nur ein Leben.

Entspannung

Ein neuer richtiger Schritt fällt mir selbst auf: Ich bin trotz aller Bemühungen weiter sehr angespannt, wirke oft wie unter Strom und kann mich nicht entspannen. Ich lese etwas von einem „Jacobson Entspannungstraining“, was auch bei Panikattacken helfen soll. Ich melde mich zu einem Kurs an und lerne so mehrere Monate das sogenannte Jacobson-Training, auch Progressive Muskelentspannung (PMR) genannt: Hierbei geht es darum, möglichst viele Muskeln in seinem Körper der Reihe nach aktiv anzuspannen und dann zu entspannen. Je mehr man dies macht, desto mehr bekommt man ein Gefühl dafür, wie verspannt man eigentlich ist und wie man dem entgegen steuern kann. Es hilft mir zu bemerken, dass das, was ich als entspannte Muskeln meines Körpers wahrnehme, in Wirklichkeit immer noch angespannte Muskeln sind. Es geht mehr, deutlich mehr Entspannung. Mit dem Wissen um dieses Training kann man in Stresssituationen gezielt versuchen, verspannte Muskelpartien zu lockern, damit es nicht zu Krämpfen und der Angst kommt, dass eine Panikattacke begänne.

Für zu Hause kaufe ich mir einige Audio-CDs, mit welchen ich Muskelentspannung wie auch Atem-Übungen trainieren kann. Andere CDs enthalten einfach beruhigende Musik, und mit wieder anderen Übungen lerne ich langsam, was geführte Tiefenentspannung bedeutet. Ich, der sonst immer in Bewegung sein will, liege auf dem Sofa und höre Musik und Suggestionen mit Kopfhörern, meine Umgebung habe ich dadurch weitestgehend ausgeschaltet. Ich schließe meine Augen und konzentriere mich nur noch auf meine Ohren, auf das was ich höre. Jegliche Gedanken, die nichts damit zu tun haben, scheuche ich fort. Mir reichen 15 Minuten pro Tag, um mit diesen Übungen einen Ruhepol zu finden, eine Möglichkeit abzuschalten und kurz Kraft zu tanken. Wichtig bei all diesen Methoden ist, dass man sich darauf einlässt, diesen eine Chance gibt. Wenn man sich innerlich dagegen sperrt („das bringt doch sowieso nichts!“), dann sind die Übungen wirklich sinnlos. Manche gefallen mir gut, andere empfinde ich als zu abgehoben und spirituell. Ich bleibe bei dem, was mich innerlich anspricht.

Zum Beispiel die Suggestions-Übung: Stimmen rufen mir Sätze wie „du fühlst dich gut“, „du bist entspannt“ oder „du bist stark und kannst alles, was du möchtest!“ zu. Anfangs kommen mir diese Worte noch arg lächerlich vor, aber je mehr ich damit arbeite, desto mehr akzeptiere ich innerlich, was ich höre. Bis ich vor dem Spiegel stehe und mir selbst sage: „Hey, du bist toll, du schaffst das!“. Dann gibt es Übungen, die einen gezielt in einen Halbschlaf bringen sollen. Eine Art wache Traumphase, in welcher die Gedanken kreisen dürfen, wo man innerlich nicht mehr in der Realität ist, aber auch nicht schläft. Anfangs klappt das praktisch gar nicht, vor allem nicht in den nur 15 Minuten der geführten Entspannung. Doch ich bleibe dran und einige Monate später dämmere ich bereits weg, wenn ich die Melodie höre: Mein Gehirn hat sich eintrainiert, dass es dann entspannen darf. Völlig frei und losgelöst wandern nun meine Gedanken, ohne dass ich diese selbst beeinflusse, doch ich bekomme weiterhin alles mit. Es ist eine Art Traum im halbwachen Zustand. Träume sind wichtig, weil das Gehirn damit die Erlebnisse und Gefühle des Tages verarbeitet, also auch Panikattacken. Damit wird man geistig freier und erliegt nicht dem Sprichwort „mir schwirrt der Kopf“.

Ein neues Leben!?

Durch meine neu erlernten Hilfen und Methoden schaffe ich es soweit, Panikattacken mit all ihren körperlichen Symptomen zu bekommen, ohne dabei Panik zu verspüren. Das klingt widersprüchlich, ist es aber nicht. Mein Gehirn und Körper sind auf Panik eingestellt, fahren alles hoch; ich schaffe es aber, mich mental so unter Kontrolle zu behalten, dass ich zwar Unwohlsein merke, aber die Panik nicht hochkommen lasse, ihr keinen Raum gebe, obwohl mein Körper teils heftig reagiert. Es ist ein neuer Erfolg auf meinem Weg!

Ein Jahr nach meiner ersten Panikattacke ziehe ich aus Beziehungsgründen in eine ruhigere Wohngegend in grüner Lage nahe Lübeck. Dadurch lasse ich endlich die laute Umgebung meiner Wohnung in Hannover hinter mir und mein Zusammenzucken beim Hören einer Autohupe wird innerhalb eines Jahres verschwinden. Ein weiterer großer Stressfaktor ist dadurch verschwunden. Wenige Monate später entschließe ich mich, mit meiner derzeitigen Arbeitsstelle Schluss zu machen, weil der Druck von dort trotz 4-Tage-Woche nicht weniger geworden ist. Unbewusst baue ich so Stress auslösende Faktoren ab. Meine Panikattacken sind sehr selten geworden und nicht mehr stark, aber auch nicht verschwunden.

Mein inneres Fass füllt sich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr weiter, ich habe bereits viel verändert und gelernt. Doch Leeren tut es sich auch nicht und dessen bin ich mir nicht bewusst. Während ich glaube, meine Panikstörung besiegt oder zumindest gut im Griff zu haben, was auch wirklich der Fall ist, ziehen neue dunkle Wolken auf. Wie konnte ich zu der Zeit erahnen, dass eine psychische Krankheit andere psychische Krankheiten begünstigt und anzieht? So wie auch körperliche Krankheiten aufeinander aufbauen, ein Reizmagen einen Reizdarm bewirken kann, ist dieser Effekt ebenso bei psychischen Leiden möglich. Das Spiel ist noch nicht vorbei.

Der Rückfall: Schwindel

Ich beginne mein Leben bei Lübeck neu zu sortieren: Durch den Umzug und Verlassen meines Arbeitgebers ist es gefühlt wie ein kleiner Neuanfang. Außerdem kenne ich hier niemanden, habe anfangs keinen Freundeskreis, den ich mir est noch aufbauen werde. Für den Kopf ist alles Neuland, Angstmuster und Angstorte kann er nicht mehr aufrufen, meine Panikattacken kommen dadurch fast gar nicht mehr. Ich gehe auf Jobsuche und werde ein paar Monate dafür brauchen. Doch langsam, erst unbemerkt, passiert etwas anderes. Es dauert, bis ich es greifen kann: Schwindel. Ich merke immer häufiger, dass die Welt in meinen Augen nicht mehr still ist, nicht mehr gerade steht. Wenn ich mich nicht bewege, steht auch die Welt still, aber wenn ich gehe, meinen Kopf drehe, ist es irgendwie komisch, schwammig; ich bekomme manchmal das Gefühl, die Welt zieht nach, wenn ich woanders hin gucke, oder schwankt leicht wie auf einem Schiff. Es dreht sich aber nichts und mir ist nicht übel. Außerdem verspüre ich keine Angst, kaum Unwohlsein, aber dieses komische Gefühl nervt mich. Es ist schwächer zu merken, wenn ich die Augen schließe und mich dann bewege, aber auch dann ist es präsent. Anfangs kann ich es nicht einordnen und vermute, dass es wieder vergehen wird, was auch immer es ist. Doch es vergeht nicht, es wird immer präsenter. Bald wird mir bewusst, dass der Schwindel besonders an bekannten Orten, wo ich häufiger bin – wie zu Hause – auftritt, aber z.B. auf Reisen kann er wochenlang gar nicht erscheinen. Mir kommt dadurch der erste Verdacht, dass es psychisch sein muss, dass es etwas mit Erinnerung an vergangene Gefühle an bekannten Orten zu tun hat. Dies hatte ich doch schon – die Panikstörung funktioniert ja so! Mir fällt ein, dass ich damals beim Einlesen in diese Störung davon gelesen hatte, dass sich Paniksymptome auf verschiedenste Art bemerkbar machen können. Meine Symptome Herzrasen, Atemnot, zitternde Muskeln usw. sind nur eine von vielen Möglichkeiten. Ja, da stand doch auch etwas mit Schwindel?

Ich beginne mich wieder mit dem Thema zu beschäftigen und stoße darauf, dass auch Schwindel ein Symptom der Panikstörung sein kann. Wenn sich dieser chronifiziert, wird er zum sogenannten phobischen Schwankschwindel (was für ein Wort ^^) bzw. Angstschwindel. Anfangs tritt er bei mir ohne Angstgefühle auf, passt also nicht wirklich zur Kategorie Angstschwindel. Doch die Symptome werden immer stärker und irgendwann kommt der Tag, wo ich auch Angst verspüre: Angst zu fallen, mich zu übergeben, Angst dass die Welt nicht aufhört zu wanken, Angst dass die Welt vor meinen Augen kippen könnte, Angst dass andere Menschen sehen wie etwas mit mir nicht stimmt. So entwickele ich langsam neue Ängste. Der Schwindel ist unterbewusst fast immer vorhanden, stört mich von morgens bis abends. Dabei zwar so schwach, dass ich keine Angst habe, aber das ständige Gefühl, wie auf einem Schiff zu stehen, ist nicht wirklich angenehm. Und dann gibt es die Momente, wo der Schwindel plötzlich stark wird und die Angst kommt. Mir wird bewusst, dass ich mein Herzrasen gegen Schwindel getauscht habe und dass sich dieser chronifiziert haben muss. Es ist wie ein Schlag ins Gesicht, diese Erkenntnis. Mir stellt sich die eine große Frage: Warum?

Phobischer Schwankschwindel

Wieder versuche ich es in Eigenarbeit: Ich lese mich in das Thema Schwankschwindel ein und lerne, dass ich jetzt innerlich zu sehr auf meine Gleichgewichtssinne achte, deren Signale sonst unbewusst verarbeitet werden. Ich registriere und deute sie nun selbst, und das leider fehlerhaft. Die Ursachen sollen tiefe innere Belastungen sein, oftmals kommt dieser Schwindel mit einer Angst- oder Panikstörung zusammen. Wie auch bei der Angst treten die schlimmsten Befürchtungen, die man beim Schwindel bekommt, nicht ein: Man wird weder umfallen noch sich übergeben, auch wenn ich manchmal das starke Bedürfnis habe, mich irgendwo festzuhalten. Es ist wieder der Kopf, der mir diese Szenarien vorspielt. Verrückt, was die Psyche alles mit einem machen kann! Ich weiß, ich werde wieder dagegen arbeiten müssen, doch ein Gedanke wird immer präsenter: Wenn ich den Schwindel überwunden haben werde, was kommt dann als nächstes? Oder ist mein ganzes Vorgehen nicht optimal?

Die Übungen gegen Schwindel bestehen in Gleichgewichtsübungen und absichtlichem Herbeiführen von starkem Schwindel. Kinderspielplätze sind ideale Übungsflächen :)! Mir wird anfangs ganz anders, wenn ich sehe, wie sich kleine Kinder absichtlich bei drehenden Spielgeräten dem Schwindel aussetzen, doch den Kleinen macht es Spaß! Schwindel ist also gar nicht grundlegend schlimm, aber je weniger man ihn trainiert, desto empfindlicher und ängstlicher wird man ihm gegenüber. Das Reizen der Gleichgewichtssinne machen Erwachsene auch gerne, nichts anderes passiert in Freizeitparks, dem Spielplatz für die Großen. Wer dies jedoch nicht tut und lieber einen ruhigen und reizarmen Lebensstil bevorzugt, wird gegenüber solchen Momenten anfälliger, empfindet sie als heftiger.

Ich habe jedoch nun ein gewaltiges Problem: Sonst erlebte ich eine Panikattacke und habe diese durchgehalten oder abgemildert, bis alles verklungen war. Dann war Stunden oder Tage nichts mehr, bis die nächste kam, der ich wieder Paroli geboten habe. Doch der Schwindel kommt nur selten mit einer Panikattacke, meistens ist er einfach da; nur wenn ich mich voll auf ihn konzentriere, kommt oft auch die Angst. Wie soll ich gegen etwas arbeiten, was immer da ist? Wie auch bei den Panikattacken ist die beste Medizin das Vergessen, also zu verlernen, wie man eigentlich Panik bekommen kann. Das geht nur, indem man der Situation und den Gefühlen keine Bedeutung beimisst und sich immer wieder auf andere Dinge konzentriert. Doch der Schwindel ist ständig da, ich denke nicht mal an ihn und er ist präsent! Wie soll ich versuchen ihn nicht zu beachten, ihm keine Bedeutung beizumessen, wenn ich das ständig tun müsste? Ich kann zwar auf dem Kinderspielplatz herum toben, sehr zur Freude der kleinen Kinder, doch der Schwindel bleibt auch danach bestehen … .

Die ewige Suche

Ich beginne mich wieder auf die Suche nach seelischen Ursachen zu machen und finde neue Dinge in meinem Leben, die mir wichtig erscheinen: Mehr Sport als Ausgleich zur geistigen Arbeit, mehr Urlaub und Verreisen, besonders an neue und unbekannte Orte (um aus dem bekannten Schema von zu Hause herausgerissen zu werden). Weniger stressen lassen und nicht alles an mich heran lassen, aber das sagt sich leicht; es umzusetzen ist sehr schwer. Mehr Zeit für mich nehmen zur seelischen Pflege; darüber freuen, was ich geschafft habe, und nicht das bejammern, was noch vor mir liegt. Gefühle zulassen. Ich frage mich mittlerweile, wieviel ich noch an meinem Leben finden und ändern soll, bis es wieder normal wird und ob es diesen Tag jemals geben wird. Was mir meine Seele eigentlich sagen möchte und ich bis heute nicht ganz verstehe. Doch trotz dieser Zweifel, ob ich wirklich auf der richtigen Spur bin, ist es auch ein Kennenlernen von mir selbst und eine kritische Betrachtung des eigenen Lebens und Lebensstils. Wichtig ist dabei, nicht in einen Kreislauf an „Optimierungen des eigenen Lebens“ zu kommen; wenn der Kopf lernt, dass er für jeden Angstschub dadurch belohnt wird, dass man immer mehr potentielle Stresssituationen vermeidet, dann hat man irgendwann keine Arbeit mehr, will nur noch im Urlaub sein, findet immer Ausreden das nächste Treffen mit Freunden oder Familie zu verschieben oder bleibt lieber nur noch zu Hause. Das kommt einem bekannt vor? Ja, genau so funktioniert die Angststörung. Damit diese nicht hinten herum einen Weg findet, ihren Kopf durchzusetzen und einen einzuschränken, ist es immer wieder wichtig zu hinterfragen, was man eigentlich gerade an seinem Leben ändert und warum. Das seit Corona mehr erwähnte Wort Resilienz steckt dahinter, also die Fähigkeit, auch stressige Zeiten auszuhalten und nicht aus dem Weg zu gehen oder zu fliehen. Daher kommt auch das Sprichwort „seine Mitte finden“. Verändere dein Leben so, dass du Stress und Entspannung, Action und Ruhe, Gesellschaft und Alleinesein in einem Verhältnis hast, das deiner Natur entspricht. Aber ändere es nicht zu 100:0!

Ich weiß es zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber mit diesen Punkten werde ich es schaffen, mein gefülltes seelisches Faß langsam zu leeren. Wenn ich wütend bin, boxe ich ins Kopfkissen. Wenn ich fröhlich bin, lächele ich und fange an Lieder mitzusingen. Wenn ich traurig bin, schaffe ich es endlich zu weinen. Als meine Freundin meint, sie hätte mich das letzte Mal vor Liebesglück bei den ersten Dates mit ihr weinen sehen, was fast ein Jahrzehnt her ist, wird mir bewusst, wie lange ich meine Gefühle anderen Menschen gegenüber regelrecht versteckt habe. Ich tröste gerne, doch andersherum war ich wohl unfähig. Ein emotionales Scheitern, das ich mir nun eingestehe. Tatsächlich sind emotionale Handlungen wie Singen, Lachen, Weinen, Freunde, Wut wichtig für den inneren Ausgleich. Also nicht nur daran denken, sondern auch leben. Bei kleinen Kindern sieht man dieses Verhalten sehr oft und sie können schnell zwischen verschiedenen Emotionen wechseln, während Erwachsene oftmals als reifer und kontrollierter betitelt werden, weil sie derartige Gefühle beherrschen und unterdrücken. Bei mir, mit einem Hang zum Perfektionismus und leicht autistischen Grundzügen, ist dieses „ich will alles an mir kontrollieren“-Verhalten besonders ausgeprägt. In gewissen Situationen ist Beherrschung sicher sinnvoll; ein Erwachsener, der schreiend im Einkaufsladen auf den Boden hämmert, weil die Eier ausverkauft sind, wäre höchstens amüsant bis seltsam peinlich. Auch sollte man nicht alle seine Emotionen in Gegenwart Anderer rauslassen, weil dies möglicherweise verletzen kann. Trotzdem darf man ruhig auch „die Sau rauslassen“, wenn es sich anbietet, im positiven wie im negativen. Danach fühlt man sich oft besser.

Ich finde nach etwas Zeit eine neue Arbeitstelle. Der Job wird Segen und Fluch zugleich sein. In der Firma arbeiten viele jüngere Menschen, Frauen wie Männer. Nacht fast 10 Jahren in einem Unternehmen, wo der Altersschnitt gen Rente ging und es praktisch nur Männer gab, ist es hier wie eine neue Welt, erfrischend und lebendig! Ich lerne nach und nach immer mehr Leute kennen und kann mir einen netten Freundeskreis aufbauen. Ich bin im Norden angekommen! Gleichzeitig habe ich eine Chefin, für die das Wort Furie und Zicke noch zu nett ist. Sie braucht fast jeden Tag einen Mitarbeiter, den sie fertig machen kann, und ich als Neuling, der helfen möchte und sich lieber duckt als aufbegehrt, bin da genau richtig. Fast täglich kommt sie in mein Büro, schließt die Tür und schreit mich minutenlang an, was ich hätte besser machen können oder wo ich ihrer Ansicht nach versagt habe. Die Tatsache, dass sie die einzige mit dieser Meinung ist und ich bei den Kollegen sowie anderen Abteilungen gerne gesehen bin, wird sie nie honorieren. Während meiner Probezeit bin ich drei Mal im Keller meiner Firma und heule wie ein Schlosshund, weil ich nicht verstehen kann, wieso sie so aggressiv gegen mich vorgeht. „Sie hat mich doch eingestellt! Wirf mich doch raus, wenn ich so unpassend bin!“ Ich bin fast davor, die Stelle selbst hinzuwerfen, da erwacht mein Kampfgeist. „Nein, lass dir nicht diese tolle Firma durch eine Person kaputt machen, du fühlst dich hier wohl, bleib!“. Ich bleibe und werde in der Folgezeit versuchen, ihr so gut es geht aus dem Weg zu gehen und Entscheidungen selbst zu treffen, damit ich sie möglichst nicht fragen muss – in der Firma scheint eh jeder zu machen, was er will.

Überlastete Psychologen

Der Schwindel bleibt hingegen bestehen, ich kann machen was ich will. Es ist nun ein Jahr vergangen, seitdem er mich in sein Herz geschlossen hat und ich bin sehr verzweifelt. Alle Methoden, die ich bei den Panikattacken anwenden konnte, scheitern hier. Meine Übungen für den Gleichgewichtssinn sind zwar nett, ich kann mit geschlossenen Augen länger auf einem Bein stehen als meine ganze Familie, doch der Schwindel bleibt. Gefühle zeigen, das Leben entspannen, alles habe ich angefasst, das eine mit besseren und das andere mit schlechteren Resultaten, doch nun weiß ich nicht mehr weiter. Ich versuche mir psychologische Hilfe zu holen und frage bei einigen Psychologen im Kreis Lübeck nach. Doch die Antworten sind immer gleich entmutigend: Völlig ausgelastet, frühestens in einem Jahr ist ein Termin frei. Gibt es zu wenige Psychologen oder sind wir zuviele Patienten mit psychischen Problemen? Wahrscheinlich beides, aber es sind bereits Jahre seit meiner ersten Panikattacke vergangen und das Thema der psychischen Krankheiten ist in der Gesellschaft angekommen. Man liest und hört viel häufiger davon als noch zu Beginn meiner Probleme. Vermutlich gibt es deswegen immer mehr Menschen, die sich nun trauen, offener über ihre Probleme zu reden und entsprechend werden therapeutische Angebote häufiger verschrieben und genutzt. Ich gebe den Gedanken an einen Psychologen erstmal auf und lasse mich nur auf Wartelisten setzen.

Ich suche weiter und finde das Thema Blitzhypnose, was angeblich gegen alles helfen soll. Ich wollte mich eh schon immer hypnotisieren lassen und mache einen Termin aus. Mehr als nichts bringen kann es ja nicht. Es ist eine interessante Erfahrung, geistig weit weg zu sein und dabei noch Fragen beantworten zu müssen, wo ich am liebsten schlafen will, aber die Hypnotiseurin lässt mich nicht ^^ trotz dieser netten Erfahrung, helfen tut es nicht. Ich finde sogenannte Schwindelambulanzen, welche sich sowohl mit körperlichem wie auch psychischem Schwindel auskennen, aber es gibt zu diesem Zeitpunkt weniger als eine Handvoll in ganz Deutschland und alle zu weit entfernt. Ich lasse mich daher vorerst beim HNO-Arzt abchecken, ob ich körperlich gesund bin. Ja, alles gut. Es folgt zur Sicherheit auch ein EEG, eine Gehirnstrommessung, doch auch hier wieder: Ich bin gesund. Ja, diese Antwort kenne ich … . Der HNO-Arzt verweist mich schließlich auf einen Neurologen, und dieser wird meine Rettung sein: Mit seinem Vorschlag bin ich anfangs gar nicht einverstanden, möchte das nicht ausprobieren, doch ich weiß, dass ich keine Wahl mehr habe und vertraue seinem Wissen, da er schon sehr alt und damit hoffentlich erfahren ist. Ich kann zu diesem Zeitpunkt nicht erahnen, dass ich ihn ein Jahr später dafür umarmen könnte: Meine Erlebnisse mit Antidepressiva beginnen.

Antidepressiva

Von Antidepressiva, kurz AD, hat wohl jeder schonmal gehört und vermutlich haben mehr Menschen diese Medikamente genommen, als sie zugeben. ADs sind die letzte Ablehnung in meinem Kopf, mit der ich mich gegen das ganze Thema der psychischen Störungen gewehrt habe, es nicht akzeptieren wollte, dass es so etwas gibt. Bei den AD habe ich die Befürchtung, dass sie die Psyche und mein Ich so ändern, dass ich nicht mehr ich selbst sein werde. Ich habe Angst davor, irgendwie im Kopf dauerhaft verändert zu werden, ohne mich dagegen wehren zu können. Dabei ist die Wirkungsweise an sich nicht so gravierend: Die meistens ADs, und es gibt eine Menge verschiedener Wirkstoffe und AD-Gruppen, blockieren oder hemmen die Aufnahme von Serotonin, einem Hormon und Transmitter im Gehirn, welcher für die Übermittlung von Körper- und Gedankeninformationen zuständig ist. Werden diese Informationen abgeschwächt und nicht mehr so stark verarbeitet, so passiert folgendes: Besonders stark negative oder positive Gedanken wie auch Gefühle, die viele Serotonine produzieren, werden nur verringert übertragen. Dadurch werden depressive Phasen abgeschwächt, man ist nicht mehr so extrem traurig, müde und fertig. Ebenso gilt dies aber auch anders herum, also besonders tolle Gefühle werden auch abgeschwächt, so dass man bei Einfluss durch ADs oftmals nach Außen recht ausgeglichen wirkt, sich in Wirklichkeit aber auch abgestumpft fühlen kann, weil man keine stärkeren Gefühlsschwankungen mehr erlebt. Körperliche Alarm-Signale wie z.B. die extremen Reaktionen bei einer Panikattacke werden ebenso abgeschwächt, Dinge wie Herzrasen, Zittern oder eben die Angst werden weniger stark ausgelöst. Und hier ist der Punkt, warum mir der Neurologe dazu rät, es mit ADs zu versuchen: Auch die negativen Gefühle durch den Schwindel werden abgeschwächt, die Schwindel-Informationen werden stärker geblockt und dadurch kommt weniger bei mir im Gehirn an. Folglich nehme ich das Schwindelempfinden weniger stark war. Damit basiert die Heilung vom Schwindel auf demselben Muster wie bei den Panikattacken: Vergessen. Je weniger ich mich damit beschäftige, weil die Informationen im Kopf geblockt oder zumindest verringert werden, desto weniger oft werde ich daran denken und desto mehr werde ich vergessen, mich schwindelig zu fühlen.

Der Neurologe erklärt mir diese Zusammenhänge und sagt mir auch, dass er schon oft von Panikattacken „geheilte“ Patienten in seiner Praxis gehabt hat, die in Folge aber eine andere psychische Störung bekommen haben. Das Problem liegt darin, dass der Kopf gelernt hat, wie er zu Angst und unangenehmen Gefühlen kommen kann, und dies bei anderen Situationen und Gefühlszuständen ebenso abrufen und abspulen kann. Mir wird letztlich die Wirkungsweise des menschlichen Gehirns zum Verhängnis. Er ist sich aber sicher, dass ich mit den ADs diese Botenstoffe blockieren kann und langsam die Gefühle vergesse; und er ist sich ebenso sicher, dass ich danach auch keine neue psychische Störung entwickele. Er wird recht behalten und auch mit der schleichenden psychsichen Veränderung kann ich mich besser arrangieren als gedacht!

Wirkung & Nebenwirkung

Meine Erlebnisse mit AD sind kaum beschreibbar: Zwischen Scheiß-Zeug bis hin zu traumhaft ist alles dabei. Den ersten Wirkstoff vertrage ich gar nicht; ich bekomme schon nach kurzer Zeit so heftige Nebenwirkungen, dass ich den Wirkstoff absetze. Eine der Nebenwirkungen ist Schwindel selbst, was natürlich in der Situation total toll ist. Dazu kommen Kreislaufprobleme, Übelkeit, dauerhafte Müdigkeit, nächtliches Erwachen, leichte Atemnot, Kribbeln am ganzen Körper, innere Unruhe, Bauchschmerzen, Orgasmusprobleme … was aber weniger schlimm ist, da die Lust auf Sex auch versiegt. Ich frage mich wieder, ob ADs wirklich eine gute Wahl sind. Doch ich gebe nicht auf und wechsele auf einen anderen Wirkstoff. Dieses wirkt deutlich besser und kommt mir manchmal wie ein kleiner bunter Drogen-Trip vor, der nicht enden will. Am Anfang soll ich mit einer „normalen“ Einsteiger-Dosis beginnen, welche die meisten Menschen brauchen sollen, und mich dann steigern. Doch darauf reagiere ich bereits heftig und reduziere daher deutlich. Am Ende reicht mir die Einsteiger-Dosis völlig als Maximaldosis, welche ich knapp 1,5 Jahre nehmen werde. Manche der Nebenwirkungen schwächen sich nach einiger Zeit ab, andere begleiten mich die gesamte Einnahme-Zeit über.

Als neutral empfinde ich die „Mir-ist-alles-egal“-Nebenwirkung. Wie erwartet schwächen die AD alle meine Empfindungen und Gefühle ab, so dass ich Dinge weder besonders toll noch besonders blöd finde. Alles ist irgendwie geglättet, aber dadurch auch etwas fremdbestimmt, als ob ich neben mir stehe. Doch dann kommen meine 5 Minuten, um die mich jede Katze beneiden würde: Auch wenn es eigentlich ja abgeschwächt werden sollte, bekomme ich fast täglich kurze Glücksschübe, wo gefühlt meine gesamten Glückshormone eines Tages innerhalb von wenigen Minuten freigesetzt werden. Das Gefühl dabei ist so unglaublich, dermaßen euphorisierend, völlig unkontrollierbar, dass ich vor Freude durchs Haus springe, singe oder jauchze. In manchen Fällen ist es sogar so stark, dass ich mich frage, ob man noch stärkere Glücksgefühle bekommen kann. Anfangs erschrecken mich diese „Ausraster“, da sie unerwartet und völlig unkontrollierbar für mich auftauchen. Aber ich gewöhne mich an sie und lerne sie sehr zu mögen. Besonders interessant werden diese in Gegenwart anderer Menschen, die überhaupt nicht peilen, was gerade mit mir los ist. Insgesamt bessert sich auch meine Stimmung, ich bin fröhlicher und positiver gestimmt, obwohl dies gar nicht das Ziel der Einnahme ist; aber den Effekt nehme ich doch gerne mit.

Nach 1,5 Jahren habe ich den Schwindel tatsächlich gut verlernt und verdrängt. Dies fällt mir erst auf, wenn ich darüber nachdenke, warum ich die ADs eigentlich nehme. Da war doch mal was … an dieser Stelle beschließen mein Neurologe und ich, das Medikament abzusetzen. Das Absetzen mache ich sehr langsam, um Absetz-Erscheinungen zu vermeiden, die angeblich sehr heftig ausfallen können; ich bekomme keine. In diese Zeit fällt leider eine emotionale sehr belastende Trennung und der Schwindel kommt plötzlich und sehr heftig zurück; doch ich setze das Medikament weiter langsam ab. Ich gehe davon aus, dass der Schwindel nur durch meine akute seelische Belastung aufgetaucht ist und danach schnell wieder verschwinden wird. Eine gewagte Wette, doch als mein Leben in ruhige und ausgeglichene Bahnen zurückkehrt, verschwindet der Schwindel tatsächlich ebenso schnell wieder, wie er gekommen war. Strike!

Ende gut, alles gut?

Es sind Jahre vergangen und ich habe seitdem keine wirklichen Panikattacken mehr gehabt. Es gab Situationen, wo ich Angst verspürt habe, gemerkt habe, wie sich mein Körper auf Panik vorbereitet, aber dann konnte ich diese Situationen selbst stoppen. Der Schwindel kam noch viel weniger zu Besuch, und wenn dann nur für einige Tage bis Wochen, um anschließend wortlos wieder zu gehen. Dies soll Mut machen, dass es Wege aus dem Angstkreislauf gibt. Bei aller Euphorie über meinen Erfolg muss ich jedoch feststellen: Mit Angst- und Panikstörungen kann man umgehen lernen, sie meistern, doch eine 100%-Heilung gibt es nicht. Zumindest habe ich diese nicht gefunden. Ganz los bin ich Angst und Schwindel nie geworden, aber sie behindern meinen Alttag nicht mehr. Auch ins Flugzeug traue ich mich wieder. Wichtig ist, niemals zu vergessen, dass man vergessen kann! Und so schwor ich mir folgendes:
„Liebe Angst, selbst wenn du wiederkommst, ich kenne dich nun, ich weiß wie ich gegen dich arbeiten kann und ich werde dir immer wieder den Raum zur Entfaltung nehmen! Mit mir wirst du es nicht leicht haben!“

Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass starke emotionale Ereignisse oder Lebensabschnitte Angst und Panik wieder triggern können. Bei mir passierte dies durch die Corona-Folgen ab 2020, durch den Russland-Ukraine-Krieg in 2022 und durch eine lebensbedrohliche Erkrakung im engen Familienkreis. Dann ist es umso wichtiger, sich an seine vergangenen Erfolge zu erinnern, das Gelernte wieder abzurufen und sich klar zu machen, dass es Ereignisse in dieser Welt gibt, die wir weder kontrollieren noch verhindern können. Um sich zu erinnern, schreibt man am besten auf, was passiert ist und wie man vorgegangen ist. Wie eine Art Angst-Tagebuch. Meines hast du nun gelesen. Es hilft mir vielleicht nochmal in der Zukunft und dir hoffentlich in der Gegenwart, sofern du entsprechende Probleme hast.

In dem Sinne: Never give up! Mach die Angst zu deinem mahnenden Begleiter, der dir etwas mitteilen will, aber nicht zum Feind.